Die 100. Saison der National Football League begann in der Nacht von Donnerstag auf Freitag mit dem Klassiker Chicago Bears gegen Green Bay Packers. Die jährliche Durststrecke von gut sieben Monaten (Preseason zählt für mich nicht) ist zu Ende und die neue Saison ging so los wie die alte aufgehört hat. Der 10-3 Sieg der Packers war ein von beiden Defensivreihen geprägtes Spiel und bot für Fans von Offense-Feuerwerken kaum Highlights. Was jedoch zählt, ist die Tatsache, dass es endlich wieder losgeht und wir bis Anfang Februar dem professionellen Football frönen dürfen.

Erwartungen, Hoffnungen, Wünsche

Die Offseason war für mich eine sehr lehrreiche Zeit. Ich las mich bereits vor dem Draft in diverse Artikel rund um das Thema Analytics ein und lernte die Grundlagen der Statistiksprache R und dem Tool zur NFL-Analyse “nflscrapR”, um selbst ein paar Auswertungen zu machen. Hinzu kam, dass im Wochenrhythmus verschiedenste Quellen ihre sehr interessanten Analytics-Erkenntnisse teilten. Dazu zählen u.a.:

Der großartige Warren Sharp hat in seiner “2019 Football Preview” die wichtigsten Erkenntnisse hervorragend zusammengetragen. Ein Auszug hiervon:

  • Pass den Ball häufiger bei 1st-Down, insbesondere, wenn du einen jungen Quarterback auf dem Platz hast
  • Laufe nicht bei 2nd und 10 nach einer Incompletion
  • Laufe häufiger bei 3rd und kurz
  • Passe häufiger aus 2-WR-Sets und visiere häufiger deine TEs an
  • Laufe häufiger in der Redzone
  • Setze deine Receiving-Backs häufiger als Runner in der Redzone ein
  • Setze Run-Pass-Options ein, um die gegnerische Defense zum Adjusten zu zwingen

Dies alles sind Maßnahmen, um die Effizienz einzelner Spielzüge zu steigern. Beim Blick auf das erste Spiel der Saison stellten wir jedoch fest, dass viele dieser Empfehlungen offensichtlich kaum eine Rolle zu spielen scheinen. Der Laufanteil im 1st-Down war nach wie vor extrem hoch und machte das Spiel beider Teams unnötig ineffizient. Meine Hoffnung und Erwartung ist daher, dass es mehr Teams in der neuen Saison wagen werden, in Richtung offensive Effizienz zu optimieren. Hier denke ich vor allem an die Teams, die qualitativ nicht die beste Kaderzusammensetzung haben und daher “nichts zu verlieren” haben. Einzig die Seahawks und ihren Offensive Coordinator Brian Shottenheimer habe ich dies bzgl. aufgegeben.

Störgeräusche und Skandale

Die AB-Saga entwickelte in den letzten Tagen eine absurde Dynamik und meiner Meinung nach haben alle Seiten mehr oder weniger ihr Gesicht verloren. Bei mir hat die ganze Geschichte dazu geführt, dass das Interesse an der diesjährigen Hard-Knocks-Staffel massiv abgenommen hat. Auch der Umgang der Liga mit Spielern, die abseits des Feldes negativ auffallen und z.T. sogar gegen Gesetze verstoßen, halte ich für sehr schwierig. Jeder verdient eine zweite Chance, aber durch die teils extrem inkonsequente Strafenpolitik bringt sich die NFL in ihrer Außendarstellung häufig selbst in Erklärungsnöte. Eine sehr ungesunde Entwicklung, wie ich finde, die der NFL auf Dauer Fans kosten dürfte.

Holdouts

Was mit Le’veon Bell im vergangenen Jahr begann, setzte sich in diesem Jahr fort. Spieler wie z.B. Melvin Gordon und Jadeveon Clowney, die meinten mehr Geld durch neue Verträge zu fordern, weigern sich zu spielen. Dies führte im Fall Clowney sogar zu einem erzwungenen Trade. Aus Spielersicht ist das Verhalten bis zu einem gewissen Punkt verständlich, aber es zeigt aus meiner Sicht vor allem die Schwäche der aktuellen Mechanismen im auslaufenden Collective Bargaining Agreement. Daher wird eine der spannendsten Fragen der kommenden Offseason sein, wie ein neuer CBA aussehen wird und wie sich dieser auf das grundsätzliche Verhältnis zwischen Spielern und Klubs auswirken wird.

Neue Regeln

Die Tatsache, dass Pass Interference Calls nun überprüft werden können, finde ich richtig. Die Wahrscheinlichkeit für Fehlentscheidungen ist hier nicht gering und die Einführung dieser neuen Möglichkeit dürfte für etwas mehr Gerechtigkeit sorgen. Natürlich wird es immer wieder Borderline-Calls geben, die auch nach Videoentscheid umstritten bleiben, aber zumindest die offensichtlichen Fehlentscheidungen dürften dadurch minimiert werden.

Saison-Tipps

Dank Christian Schimmel, der bei Twitter auf den NFL Predictor aufmerksam gemacht hat, konnte ich eine komplette Saisonprognose erstellen. Folgendes Playoff-Picture ergibt sich daraus:

AFC

NFC

Playoff- und Super Bowl-Prediction

Auch wenn es mir sehr schwer fällt gegen Bill Belichick und Tom Brady zu tippen, ist mein Super Bowl Pick der AFC die Kansas City Chiefs, die sich im AFC-Finale knapp gegen die Patriots durchsetzen werden. In der NFC setzen sich die New Orleans Saints durch und schlagen die Philadephia Eagles im NFC-Endspiel. Am Ende gewinnen die Saints das Spiel in einem offensiven Passfeuerwerk knapp.

Empfehlenswerte Previews