Es ist nicht wirklich überraschend, dass sich die Pac-12 in einer Situation befindet, die in Bezug auf das Playoff-Rennen suboptimal ist. Bereits vor der Saison haben viele Experten keinen Penny auf die Conference auf der westlichen Seite der USA gesetzt. Dass aber nach Woche 4 die Lage bereits so dermaßen prekär sein würde, hätte ich persönlich nicht geglaubt. Mit Utah (bei USC) und Washington State (zu Hause gegen UCLA) kassierten die nächsten Teams bittere Niederlagen. Einzig das Team der California Golden Bears bleibt, wenn auch etwas glücklich, ungeschlagen. Die Oregon Ducks, die am kommenden Wochenende spielfrei haben, sind vielleicht das letzte verbleibende Team der Conference mit einer kleinen Restchance. Diese dürfte aus meiner Sicht aber nicht wirklich groß sein, denn das Restprogramm ist nicht ohne und selbst bei einem Durchmarsch wären die Ducks von Ausrutschern anderer abhängig. Vielleicht hätten die Pac-12 bessere Chancen, wenn es um einen Vergleich der einzelnen Maskottchen ginge. Wie deren Chancen aussehen würden, beschreibt Football-Vordenker und Washington State Head Coach Mike Leach folgendermaßen:

Ranking Update

Quality Loss für Notre Dame?

Im Topspiel der vergangenen Woche waren die Fighting Irish bei den Georgia Bulldogs zu Gast und wurden ihrem Namen gerecht. Die 14.5 Unterschied zu Gunsten Georgias hielt ich für übertrieben und letztendlich ging es mit 23-17 wesentlich knapper aus als es einige gesehen haben. Notre Dame um Senior-QB Ian Book konnte das Spiel lange Zeit ausgeglichen halten. Book verwaltete das Spiel in der ersten Halbzeit und die Defense der Irish hielt den Angriffsbemühungen der Bulldogs stand. Das Laufspiel über RB D’Andre Swift, eigentlich Georgias Prunkstück, kam nicht wirklich in die Gänge und so ging es mit 10-7 aus Sicht von Notre Dame in die Halbzeit.

In der zweiten Hälfte zeigte sich dann aber immer mehr das individuelle Talent Georgias. Trotz eines glücklichen Turnovers kamen die Bulldogs zunächst nur zu zwei weiteren Field Goals, hatten dann jedoch die Offense der Irish weitestgehend im Griff. Ein sehr sehenswerte Backshoulder Pass von Georgia QB Jake Fromm auf Lawrence Cager sorgte dann aber für die klare Führung. Drei Minuten vor Schluss fing zwar Chase Claypool noch einen TD-Pass, aber mehr war nicht mehr drin. Insgesamt war es eine gute Leistung der Irish, die noch nicht ganz aus der Playoff-Diskussion raus sein dürften. Für Georgia lief alles weitestgehend nach Plan.

Auburn 4-0. Wait what?

War Gus Malzahn nicht noch gerade auf dem Hot Seat? Wenn ja, dürfte dieser mittlerweile Minusgerade haben, denn die Auburn Tigers siegen souverän im Kyle Field mit Freshman-QB Bo Nix. Nach einem Sieg auf neutralem Boden gegen Auburn und einem Qualitätssieg gegen einen stark eingeschätzten Rivalen aus der SEC West steht Auburn nun hervorragend da. S&P+ steht zwar nicht so hoch wie die AP Poll, aber die Defense der Tigers gehört zu den besten im Lande.

Insbesondere die Defensive Line um DL Derrick Brown, der ein richtig gutes Spiel machte (2 Sacks, 3 TFL, 2 Pässe verteidigt), ist geradezu Angst einflößend. Immer wieder zwang Auburn die Aggies in ziemlich ungünstige 3rd and Long Situationen, die sie nur selten meistern konnten (5/14). Zwar kam Aggies-QB Kellen Mond auf über 300 Pass-Yds und 2 TDs, aber letzteres erzielte er erst im vierten Quarter als Texas A&M einem großen Rückstand hinterher laufen musste. Die 2.7 Yards per Carry für A&M sagen deutlich, dass das Laufspiel für keine Entlastung sorgen konnte. Die Offense der Tigers hingegen profitierte von gemischten Packages für Freshman-QB Bo Nix und den erfahreneren QB Joey Gatewood, der ebenfalls einen TD-Pass warf.

Texas strong

Die Longhorns starteten erfolgreich in die Conference-Matchups der Big-12. Gegen Angstgegner Oklahoma State gelang ein 36-30. Extrem bitter sind die Ausfälle von Safety Caden Sterns, CB Jalen Green und CB Josh Thompson. Alle drei werden mehrere Wochen ausfallen und bereits Mitte Oktober findet der Red River Showdown gegen Oklahoma statt. Extrem ungünstiger Zeitpunkt.

Ansonsten gab es wenig Beschwerden. Die sehr talentierte Offense der Cowboys konnte häufig genug gestoppt werden. Zum Teil merkte man QB Spencer Sanders noch deutlich an, dass er ein Freshman ist, der eine oder andere eindeutige Fehler war dabei. Dennoch überwog aber sein krasses Talent. Dennoch war letztendlich die Texas Offense nicht wirklich aufzuhalten und Sam Ehlinger konnte mal wieder WR Devin Duvernay gut in Szene setzen (12 Rec, 108 Yds, 1 TD). So gewann Texas diesen Shootout mit kumulierten 1.000 Yds letztendlich verdient.

Aus dem Notebook

Die UCF Knights kassierten bei Pitt die erste Niederlage in der regulären Saison seit drei Jahren. Das ausgerechnet bei Pitt, dessen Head Coach so harsch in der vergangenen Woche dafür kritisiert wurde, dass er bei einem Spielstand von 10-17 gegen Penn State den vierten Versuch an der gegnerischen Endzone nicht ausgespielt und dafür das Field Goal hat kicken lassen.

Des Weiteren kassierte Michigan eine herbe Niederlage (14-35) bei den Wisconsin Badgers. Nach der gefühlten Niederlage vor zwei Wochen gegen Army nun ein weiterer Tiefschlag für Harbaugh. Die Michigan Offense sieht nach wie vor schlecht aus und die Defense scheint die Abgänge aus dem Vorjahr nicht wirklich zu verkraften.

Umso besser sieht die Offense um LSU-QB Joe Burrow aus. Nach S&P+ die zweitbeste im Lande. Mehr als ungewöhnlich für LSU. Am Wochenende gab es ein klares 66-38 bei Vanderbilt.

Ein regelrechtes Punktefeuerwerk sahen die Zuschauer von Washington State gegen UCLA. UCLA gewann 67 zu 63 nach regulärer Spielzeit. Wazzu war zur Mitte des dritten Quarters noch 32 Punkte in Führung ehe das Spiel einen absolut chaotischen Verlauf nahm. Die 9 Touchdowns von Wazzu-QB Anthony Gordon halfen den Cougars am Ende nicht, denn sie verloren das Turnover-Battle klar mit 1-6.

Sooners Watch Woche 5

Nach der Bye-Week geht es für die Sooners weiter mit dem ersten Conference-Matchup gegen die Texas Tech Red Raiders. Die Sooners sind zwar haushoher Favorit mit 27 Punkten, aber dennoch dürfte es eine sehr unterhaltsame Partie werden. Die Offense um QB Jalen Hurts ist die explosivste und effzienteste im College Football. Die Texas Tech Defense ist bislang gegen den Pass ziemlich erfolgreich gewesen, hat dafür umso mehr Probleme den Lauf des Gegners zu stoppen. Dumm für die Red Raiders, dass die Sooners in diesem Jahr ein Run First Team sind und sich vermutlich auch am Samstag entsprechend austoben werden.

Auf der anderen Seite des Balls fehlt den Red Raiders Quarterback Alan Bowman wegen einer Verletzung. Head Coach Matt Wells wird wohl Jett Duffey starten lassen und das dürfte alles in allem ein großer Vorteil für die Sooners Defense sein. Mein Tipp: 50-23 Sooners.

KO-Runde im Westen

Ich hätte vor zwei Wochen noch nicht gedacht, dass das Spiel USC @ Washington ein Duell zweier Teams in den Top-25 sein würde. Der Sieg der Trojans über Utah gibt dem Programm aus dem Süden Kaliforniens natürlich Auftrieb, welchen sie beim Gastspiel in Seattle gut gebrauchen können. QB für die Trojans wird aller Voraussicht nach Matt Fink sein, der mittlerweile der dritte Starter in dieser noch jungen Saison ist. Seine größten Waffen sind die beiden Wide Receiver Amon-Ra St. Brown und vor allem Michael Pittman. Sollte die Washington Defense das Passspiel der Trojans eindämmen können, dürfte das die halbe Miete sein. Das Laufspiel ist bei USC quasi nicht vorhanden.

Wenn Washington QB Jacob Eason an die Leistungen aus der vergangenen Woche gegen BYU (24/28 Pässe) anknüpfen kann, hat die Washington Offense alle Möglichkeiten die Defense der Trojans müde zu spielen. Mein Tipp: 28-23 Huskies.

Notre Dame im Bounce-Back-Modus

Das zweite Spiel zwischen zwei gerankten Teams ist das Duell der Notre Dame Fighting Irish, welche die Virginia Cavalier im heimischen South Bend empfangen. Wie bereits im Review-Part beschrieben, haben sich die Irish teuer verkauft und werden nun alles geben, den Eindruck vom Georgia-Spiel zu bestätigen.

Die Virginia Cavaliers müssen hoffen, dass ihr Quarterback Bryce Perkins kontrollierter spielt und weniger Fehler macht. Sollte das der Fall sein, dann könnte die Defense ihren Beitrag zu einem erfolgreichen Spiel leisten. Die Cavaliers kassierten bislang gute 263.8 Yds pro Spiel und 18 Punkte pro Spiel. Gegen Ian Book und Co. wird es allerdings nicht einfach werden diesen Schnitt zu halten. Die Receiver der Irish sind immer in der Lage aus kurzen Pässen viele Yards nach dem Pass zu erzielen. Sie sind flink und schnell, was eine größere Herausforderung für die Secondary der Cavaliers darstellen dürfte. Der Druck liegt aber eindeutig bei Notre Dame, denn eine Niederlage würde sie definitiv aus jeglicher Playoff-Diskussion katapultieren. Mein Tipp: 30-17 Irish.

Honorable Mentions

  • #23 Texas A&M @ Arkansas Sa. 18 Uhr – ESPN und ProSieben Maxx

Erneut ein ungleiches Duell im deutschen Free TV. Für die Aggies wird es das perfekte Spiel sein, um die Wunden der Vorwoche heilen zu lassen. Arkansas ist diese Jahr mal wieder unter ferner liefen in der SEC. In der letzten Woche setzte es eine Niederlage gegen San Jose Sate (!!).

  • Iowa State @ Baylor Sa. 21:30 Uhr – ESPN

Brock Purdy und die Iowa State Offense scheinen langsam aber sicher immer mehr ins Rollen zu kommen. Der Test auswärts bei den Baylor Bears dürfte zeigen, ob conferenceseitig was geht für die Cyclones. Auf der anderen Seite spielt das spannende QB-WR-Duo Charlie Brewer und Denzel Mims. Das Over/Under bei diesem Spiel liegt bei 54.5 und ich denke, dass das Over sehr wahrscheinlich ist, auch wenn die Defenses beider Teams für Big-12 Verhältnisse ziemlich ok sind.

  • Mississippi State @ #7 Auburn So. 1 Uhr – ESPN

Hey, die Bulldogs haben endlich mal wieder ein Passing-Game. Penn State Transfer Tommy Stevens ist jetzt kein Heisman-Kandidat oder ähnliches, aber mit 441 Pass-Yds, 5 Tds und 2 Ints ist das Welten besser als die Fans von Mississippi State im vergangenen Jahr von QB Fitzgerald gewohnt waren. Auburn ist nach den Leistungen Favorit, aber in der SEC gilt die Prämisse, dass eh keine leichten Spiele gibt. Das gilt besonders für die SEC West.

  • #24 Kansas State @ Oklahoma State So. 1 Uhr – ESPN+

Ein weiteres Duell in der Big-12 um die Plätze hinter Oklahoma und Texas. Nachdem TCU als geranktes Team gegen SMU verlor und nach einer Woche aus der AP Top-25 flog, könnte den Wildcats nun das gleiche Schicksal drohen, denn Oklahomas State Offense ist for real. Kansas State hat bislang sensationelle 12.7 Punkte pro Spiel kassiert, aber Drew Sanders und Co. dürften den Schnitt am Samstag nach oben korrigieren.

  • #5 Ohio State @ Nebraska So. 01:30 Uhr – ABC

Wird es der erste echte Test für die Buckeyes? Bislang hat Ohio State alles mehr oder weniger komplett überrollt, was in deren Weg stand. In Woche 4 musste Miami (OH) dran glauben. Nachdem Miami die ersten 5 Punkte des Spiels erzielte, kassierten sie dann 76 Punkte am Stück. Justin Fields sieht aus wie ein legitimer Heisman-Kandidat, DE Chase Young hat bislang keinen legitimen Gegenpart in den O-Lines der Gegner finden können und CB Jeff Okuda spielt immer mehr wie ein Elite-CB der guten alten DBU-Schule der Buckeyes. Schwer vorstellbar, dass die Cornhuskers hier gegenhalten können. Aber: Das Spiel findet zur Primetime statt und passenderweise in Lincoln. Der Heimvorteil könnte sich als wichtig erweisen, denn Ohio State neigt dazu Spiele dieser Art zu verlieren. Zumindest war es in den Jahren zuvor so.

Nicht verpassen solltet ihr…

…folgende Previews:

Zu guter Letzt

In der kommenden Woche folgt aus Zeit gründen vermutlich wieder eine kürzere Ausgabe der College Column. Dafür plane ich in der Woche darauf einen ausführlichen Part zur Red River Rivalry am 12.10.