Upsets sind ein wesentlicher Teil des College Footballs. Sie machen diese Sportart so einmalig und so faszinierend. Sie zeigen uns immer wieder auf, dass wir im Grunde gar nichts wissen und die Analysen, die wir vor Kickoff vornehmen, für die Tonne sind. Gut, der letzte Satz ist definitiv überspitzt formuliert, dennoch führen uns Spiele wie Georgia gegen South Carolina immer wieder schön vor Augen, dass Predictions im College Football häufig auf dünnem Holz basieren bzw. eine Kette von unvorhersehbaren Ereignissen (manche würden auch Fehler sagen) dazu führt, dass etwas rauskommt, was einen schockiert. Diese Momente prägen den College Football und ich bin dankbar, dass es sie gibt. Natürlich nur solange es nicht das eigene Lieblingsteam trifft. Versteht sich von selbst. 😉

Ranking Update

Down goes No. 3

Fangen wir doch direkt mit der in der Einleitung erwähnten Partie der Georgia Bulldogs gegen die South Carolina Gamecocks an. Die SEC ist die stärkste Conference des Landes, eine Feststellung, die ich auch mehrfach in meinen Previews zu dieser Saison betont habe. Der tiefe Süden ist reich an Geld und entsprechendem Talent, weswegen der Sieg der Gamecocks sicherlich überraschend kam und auch mich schockierte, dennoch gab es in der jüngeren Geschichte gewichtigere Sensationen. Der Impact dieses Spiels ist in Athens aber ein gewaltiger, denn die Bulldogs können sich keinen weiteren Ausrutscher mehr erlauben, soll es denn in Richtung Playoffs gehen. Der Auftritt von Quarterback Jake Fromm war absolut unterirdisch, eine Leistung, die ich so von ihm noch nicht gesehen habe.

Jake Fromm was 20-0 against unranked teams and 16-0 at home before Saturday’s 20-17 double-overtime loss to South Carolina.


Fromm threw three interceptions, his first of the season. His 111 attempts without an interception entering the game were the sixth-most among QBs without an INT this year.

The Athletic

Insgesamt vier Turnovers verschuldete der Junior für die Bulldogs, was in der regulären Spielzeit immer wieder dazu führte, dass die Gamecocks tatsächlich mithalten konnten.

Die Bulldogs, die mit 24.5 Punkten favorisiert waren, liefen nach einer 3-0 Führung im ersten Quarter lange Zeit einem Rückstand hinterher. Erst im vierten Quarter mit nur noch 1:48 Restspielzeit gelang der Ausgleich durch einen Pass Jake Fromms auf WR Demetris Robertson. Fast hätte ein fataler Fehler von USC-HC Will Muschamp dazu beigetragen, dass Georgia das Spiel noch in regulärer Spielzeit hätte gewinnen können. Er ließ ein Field Goal von 57 Yards kicken, was für College-Verhältnisse mehr als absurd ist. Durch den verschossenen Kick hatten die Bulldogs gute Feldposition, konnten diese aber letztendlich nicht nutzen.

In der ersten Overtime warf Fromm dann einen weiteren Pick auf South Carolina DB Israel Mukuamu, der bereits in der regulären Spielzeit einen Pick-6 in die Endzone getragen hat. South Carolina konnte aber das potenziell spielentscheidende Field Goal aus 33 Yards wieder nicht verwandeln. In der zweiten OT gelang es ihnen dann doch mit 20-17 in Führung zu gehen. Georgia versuchte wiederum bei eigenem Ballbesitz auszugleichen und damit in die 3. OT zu kommen, aber Kicker Rodrigo Blankenship verpasste die Torstangen und somit war die erste große Sensation der Saison perfekt.

Die Gamecocks Leistung wirkt im Nachhinein noch beeindruckender, bedenkt man, dass sie ihren aufstrebenden Freshman-QB Ryan Hilinksi im dritten Quarter verletzungsbedingt auswechseln mussten. Bis dahin war er mit 15/20 Pässen, 116 Yards und einem Touchdown gut unterwegs. South Carolina kassierte zwar 468 total Yards, blieb aber durch den Gewinn im Turnover Battle immer in der Spur.

Shutout-Kings aus Wisconsin

Bereits zum vierten mal in dieser Saison spielten die Wisconsin Badgers zu null. Die Badgers sind damit das erste Team seit den 1967er Oklahoma Sooners, die ihre Gegner in vier der ersten sechs Spiele punktlos halten konnten. Eine Spitzenleistung, wenn man bedenkt, dass Wisconsin im Vergleich zu anderen Top-Programmen in der Big Ten nicht die riesige Zahl an 4- und 5-Sterne Recruits aufbieten kann.

Der Gegner der Badgers, Michigan State, ist zwar nicht für explosiven Offensiv-Football bekannt, aber die insgesamt 149 totale Yards waren dennoch ziemlich erbärmlich. Gerade einmal 4.0 Yards pro Pass bekamen die Quarterbacks der Spartans Brian Lewerke und Rocky Lombardi zusammen, ein absolut desolater Wert. Im Laufspiel kam mit 1.4 Yards pro Versuch noch weniger zusammen.

Für Wisconsins Offense war es ein entsprechend entspannter Tag, denn zwar sind die Spartans für ihre eisenharte Defense bekannt, konnten aber von keinerlei Entlastung der Defense profitieren. RB Jonathan Taylor erzielte 80 Yards und zwei Touchdowns, QB Jack Coan 180 Pass-Yds und einen Touchdown. Am Ende stand ein 38-0 für Wisconsin.

Auf zum White out

Für die Penn State Nittany Lions war es ein erfolgreiches Wochenende. Mit dem schweren Auswärtsspiel in Iowa stand ein echter Härtetest auf dem Programm, der bestanden wurde. Von vornherein war eigentlich klar, dass es eine sehr defensiv geprägte Partie werden würde und so kam es dann auch.

Penn States Passing Game wurde zwar von der starken Iowa Defense unter Kontrolle gehalten (4.9 Yds pro Passversuch vs. 9.0 im Schnitt über alle Partien), dennoch waren die Nittany Lions zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Im vierten Quarter setzten sich sich durch einen 6-Yds Run durch Noah Cain mit 17-6 ab und konnten den Sieg dann trotz eines Touchdowns Iowas ins Ziel retten.

Penn State bleibt damit ungeschlagen und hat steht nun vor seinem jährlichen White-out-Spiel zur Primetime, diesmal gegen Michigan in der Nacht von Samstag auf Sonntag.

Aus dem Notebook

In der SEC fand das Top-Spiel zwischen den LSU Tigers und den Florida Gators statt und LSU zeigte auch gegen die potentielle Elite-Defense der Gators eine bockstarke Partie. QB Joe Burrow liegt nach dieser Partie in der Straw-Poll von The Athletic an erster Stelle im Heisman-Rennen und für LSU ging es damit auf Position 2 der AP Top-25. Es war eine sehr unterhaltsame Begegnung, die eher an eine Partie der Big 12 als eine aus der SEC erinnerte und war bis Mitte des dritten Quarters mit 28-28 ausgeglichen, ehe LSU davon zog. LSUs Passing Game Coordinator Joe Brady macht ganze Arbeit bei den Tigers und ist für mich ein großer Kandidat für den Assistant Coach of the Year.

In der Big 12 entging Baylor nur ganz knapp dem Schicksal anderer Conference-Programme, nämlich aus der AP Top-25 zu purzeln. Nach zweiter Overtime siegten die Bears mit 33-30 gegen Texas Tech und bleiben vorerst ungeschlagen. Baylor QB Charlie Brewer erlief zwar drei Touchdowns, warf aber auch drei Picks.

In der Group of 5 bleiben die Boise State Broncos nach einem Sieg über Hawai’i ungeschlagen, während die Memphis Tigers ihre erste Niederlage kassierten. Temple schlug die Tigers mit 30-28.

Sooners Watch Woche 8

Siege für das eigene Team sind immer schön, Siege gegen den Erzrivalen noch schöner. Die Sooners besiegten in der alljährlichen Red River Rivalry Texas mit 34-27 und was sich vergleichsweise normal anhört, kam eher auf unorthodoxe Weise zustande. Die Defense der Sooners war überraschenderweise der Schlüssel zum Erfolg.

9 Sacks, 71 Tackles und davon 15 Tackles for loss sind eine beeindruckende Bilanz für eine Unit, die in den letzten Jahren zu den miesesten des Landes gehörte. Sam Ehlinger kassierte Hits ohne Ende und konnte über weite Strecken kein Rhythmus in sein Passspiel bringen. LB Kenneth Murray war der auffälligste Akteur auf Seiten der Sooners D und kann mit diesem Spiel ein eigenes Highlight-Tape für den nächsten Draft zur Verfügung stellen. Wichtige Waffen in Alex Grinchs aggressiver Speed-D waren auch die beiden Safeties Delarrin Turner-Yell und Pat Fields, die häufig sehr nah an der LOS standen und die Plays optimal gelesen haben.

Die Leistung der Defense war aber auch bitter nötig, denn die Offense der Sooners konnte lange Zeit ebenfalls keinen Rhythmus aufbauen und das ist mehr als ungewöhnlich. Jalen Hurts kassierte in der ersten Halbzeit zwei Turnover (ein Fumble, eine Interception) und die Texas Defense von DC Todd Orlando war trotz der dezimierten Secondary in der Lage, das Passspiel der Sooners zu kontrollieren und das eigene Team lange im Spiel zu halten. Erst im fortschreitenden vierten Quarter konnte OU davonziehen und schließlich die Partie souverän gewinnen. Auffällig: WR CeeDee Lamb mit einer Wahnsinnspartie und drei Touchdown-Catches.

Am kommenden Samstag steigt dann das Homecoming Game gegen West Virginia. Theoretisch könnte es ein Wiedersehen mit Ex-Backup-QB Austin Kendall werden, der im Zuge des Jalen Hurts Transfers nach West Virginia transferiert ist. Kendall ist allerdings verletzt und sein Einsatz nicht sicher. Während diese Partie im vergangene Jahr die Big 12 noch elektrisierte, wird es dieses Jahr vermutlich eher eine Pflichtaufgabe für die Sooners werden.

Die Mountaineers stecken mitten im Umbruch, stehen aktuell bei 3-3 und haben mit einem 44-27 gegen North Carolina State bislang nur einen Qualitätssieg. Gegen Kansas und James Madison tat man sich trotz der Siege sehr schwer. Spielt Kendall nicht, wird HC Neal Brown wohl Backup-QB Jack Allison aufbieten, der am vergangenen Wochenende gegen Iowa State eine passable Vorstellung bot. Er vervollständigte 18/24 Pässe für 140 Yds für einen Touchdown und einer Interception.

Die Defense der Mountaineers dürfte aber mit der OU-Offense kaum mithalten können, weswegen die Sooners mit 34 Punkten favorisiert sind. Hinzu kommt, dass das Laufspiel der Mountaineers ziemlich lahmt, insofern dürfte es eine eindeutige Partie im Bereich der 34-Punkte Unterschied werden.

Schlüsselspiel für Oregon

Mit nur einer knappen Out-of-Conference Niederlage stehen die Oregon Ducks gar nicht so schlecht da, zumal die Niederlage gegen die Auburn Tigers gegen ein Team aus der so starken SEC West kommt. Da stellt sich natürlich folgende Frage:

Sind die Oregon Ducks tatsächlich unterbewertet? Sicherlich gibt es Argumente für das Für und Wider der aktuellen Position der Ducks, aber das stärkste Argument für eine bessere Positionierung können die Ducks am kommenden Samstag direkt selbst liefern. Sie spielen nämlich in Seattle beim Divison-Rivalen den Washington Huskies.

Beide Quarterbacks in dieser Partie weisen ähnlich solide Stats auf und auch beide Defense-Reihen können sich sehen lassen. Washington schleppt allerdings bereits zwei Niederlagen gegen Pac-12 Konkurrenten mit sich rum und hat de facto keine Chancen mehr auf einen Playoff-Platz. Es wird auf jeden Fall spannend zu sehen sein, welche O-Line den eigenen Quarterback besser beschützen kann. Die Ducks haben eine ausgesprochen talentierte Line und diese muss am Samstag auf jeden Fall halten. Die Defense der Ducks weist auch im Schnitt weniger Gegenpunkte auf als die der Huskies auf (8.7 vs. 19.6).

Ich rechne mit einer engen und spannenden Partie, die man zudem auch noch im ESPN Player bewundern darf. Aktuell sind die Ducks mit drei Punkten favorisiert und ich kann mir vorstellen, dass sie das dank ihrer starken Defense und ihren Playmakern in der Offense covern werden.

Harbaugh unter Druck

Das Top-Spiel der Woche findet in State College, PA statt und dürfte eine einzigartige Atmosphäre bieten. Die Penn State Nittany Lions empfangen in ihrem heimischen, komplett in weiß gehüllten Beaver-Stadium die Michigan Wolverines zum Kracher in der Big Ten East.

Michigan Head Coach Jim Harbaugh steht vermutlich unter besonderer Beobachtung, denn der Druck, aus diesem talentierten Team einen Playoff-Aspiranten zu formen, ist riesig. Zu sehr stand das Programm im Schatten des ewigen Rivalen aus Columbus, den Ohio State Buckeyes und zu hoch waren die bisherigen Erwartungen an Harbaugh, die bislang nicht ansatzweise umgesetzt werden konnten. Die in der Offseason neuinstallierte Offense funktioniert bislang nicht wie man es sich in Ann Arbor gewünscht hat und erschwerend kommt hinzu, dass die Wolverines bereits eine krachende Niederlage gegen den Conference-Rivalen aus Wisconsin einstecken musste. Eine zweite Niederlage würde quasi das Aus aller Playoff-Träume bedeuten und das so früh in der Saison. Erschwerend kommt hinzu, dass, neben des feindlichen Umfeldes am kommenden Wochenende, der Gegner bislang ungeschlagen und bislang weitestgehend solide aufgetreten ist.

Penn State schafft es regelmäßig den Lauf des Gegners abzuwürgen, um so Eindimensionalität im Angriff zu erzwingen. Die LB Micah Parsons, Cam Brown und Jan Johnson sind dabei extrem produktive Säulen des Programms. Hinzu kommen die Defensive Ends Shaka Toney und Yetur Gross-Matos mit ihren jeweils 5.5 Sacks. Der Michigan Offense um QB Shea Patterson bleibt also nichts anderes übrig, als sich in diesem Spiel massiv zu steigern. Generell hat Michigan auch mit Nico Collins, Tarik Black und Donovan Peoples-Jones sehr starke Waffen im Passspiel, aber die Produktivität lässt zu wünschen übrig. Keiner der genannten Receiver hat mehr als 15 Catches in diesem Jahr.

Auf der anderen Seite wird auch Penn State seine Probleme mit der Michigan Defense haben. QB Sean Clifford wurde in dieser Saison bereits 10 x gesacked und hatte im letzten Spiel gegen Iowa einen ziemlich anstrengenden Tag. Gelingt des der potenten Front Michigans regelmäßig Druck auszuüben, könnte das ihr Schlüssel zum Erfolg werden. Schafft es Penn State jedoch z.B. ihre Receiver KJ Hamler und Jahan Doson in Szene zu setzen, dürfte es eine erneute Enttäuschung für Harbaugh in einem großen Spiel werden. Ehrlich gesagt traue ich ihm nicht mehr so richtig viel zu und tippe auf einen Sieg für Penn State mit drei Punkten Unterschied in einer low-Scoring Partie.

Honorable Mentions

  • #3 Clemson @ Louisville Sa. 18 Uhr – ABC und Pro Sieben Maxx

Das Upset-Potential wird sich hier vermutlich in Grenzen halten, aber Louisville hat in diesem Jahr ein großen Change vollzogen und profitiert vom Kulturwandel, welcher durch den neuen Head Coach Scott Satterfield eingezogen ist. Sie gewannen sogar am vergangenen Wochenende gegen die bis dahin ungeschlagenen Wake Forest Deamon Deacons. Gegen Clemson dürfte die spannendste Frage sein, wie lange Louisville die Partie eng halten kann. Clemson dürfte bemüht sein die wenigen Zweifler komplett verstummen lassen, nachdem man Florida State am letzten Samstag komplett dominiert hat.

  • #9 Florida @ South Carolina Sa. 18 Uhr – ESPN

Dies könnte auch für Florida ein Trapgame sein. South Carolina wird aller Voraussicht nach mit Stamm-QB Hilinski antreten können. Florida muss gewinnen, um auf Augenhöhe mit den Georgia Bulldogs im Kampf um die SEC East Krone zu bleiben.

  • #18 Baylor @ Oklahoma State Sa. 22 Uhr – FOX

Interessante Partie in der Big 12. Kann Baylor auch bei Oklahoma State bestehen und das Laufspiel von Chuba Hubbard kontrollieren? Wenn ja, dürfte sich Baylor als Partycrasher für ein Oklahoma vs. Texas Rückspiel im Big 12 Finale empfehlen.

  • #17 Arizona State @ #13 Utah So. 0 Uhr – Pac-12 Network

Zwei der besten Defenses in der Pac-12 South im direkten Vergleich. Beide stehen bei 5-1 mit einem 2-1 Conference-Record. Arizona State spielt mit Jayden Daniels mit einem true Freshman als QB. Er erzielte bislang 8 TDs bei einer Int. Eine gute Leistung für einen Freshman. Dennoch dürfte die sehr gute D-Line der Utes bestehen und dabei massiv helfen den Sieg zu holen.

Nicht verpassen solltet ihr…

Zu guter Letzt

In dieser Woche wurde angekündigt, dass es neben der Partie im kommenden Jahr zwischen Notre Dame und Navy, auch im Jahr darauf mit Illinois gegen Nebraska ein Spiel der regulären College Football Saison in Dublin geben wird. Wann es Tickets verfügbar sein werden, steht allerdings noch nicht fest und dürfte der Erfahrung nach noch bis vermutlich Anfang 2021 dauern.