Am Samstag sind die Würfel nach dem 18-Uhr-Slot eigentlich schnell für die kommenden Partien gefallen. Zwei Spiele standen für den darauffolgenden 21:30-Slot auf meiner Watchlist: Oregon @ Washington und LSU @ Mississippi State. Beides Spiele mit Teams, die definitiv noch Ambitionen nach oben haben. Zwischendurch schaute ich immer mal wieder durch die Ergebnisliste von ESPN und wagte einen Blick auf Temple @ SMU. Ehe ich mich umsah, blieb ich komplett hängen und schaute nur noch in Werbeunterbrechungen zu den anderen Spielen.

Zu sehr faszinierte mich vor allem das Team von Head Coach Sonny Dykes, die SMU Mustangs. Bereits seit einige Wochen sorgte das Football-Programm aus Dallas für immer mehr Aufmerksamkeit. Ich schrieb darüber bereits Anfang Oktober in der Einleitung meiner Kolumne. Die bis zum Wochenende ungeschlagenen Mustangs bezwangen auch die Temple Owls souverän und bauten ihren Record auf 7-0 aus. Herausragend war die Leistung von Quarterback Shane Buechele mit 457 Pass-Yds und 6 Touchdowns und Wide Receiver Reggie Roberson mit 250 Rec-Yds und 3 Touchdowns. Head Coach Sonny Dykes setzt spannenderweise wie kaum ein anderer Head Coach auf Transfers. Insgesamt 15 Transfer-Spieler befinden sich auf dem Roster u.a. Shane Buechele, der bereits einige Snaps für die Texas Longhorns spielen durfte, ehe er den kürzeren gegenüber Sam Ehlinger zog. Ich bin sehr gespannt, wohin die Reise des Programms in den nächsten Tagen und Wochen hingeht. Eine Teilnahme an einem renommierten Bowl wirkt nach Siegen wie gegen Temple nicht mehr komplett abwegig.

Ranking Update

Fear the beard!

Eines muss man Illinois’ bärtigem Head Coach Lovie Smith lassen, er kann einstecken. Es gehört zum Geschäft dazu, dass Head Coaches nach einer gewissen Zeit ohne signifikante Verbesserung ihres betreuten Programms in Richtung “Hot Seat” geschrieben werden. Lovie Smith sitzt gefühlt schon seit Wochen drauf und kann sich vermutlich glücklich schätzen, bei einem Programm zu sein, welches nicht zur traditionellen Elite im College Football zählt. Ein Programm, das in dieser Saison sowohl offensiv als auch defensiv eher zum unteren Drittel aller Programme zählt. Da werden Tage wie der vergangene Samstag zum Brustlöser. Die Fighting Illini bezwangen nämlich die bislang ungeschlagenen Wisconsin Badgers im heimischen Stadion in Champagne und dann auch noch am Homecoming-Wochenende. Eine Story, zu schön um wahr zu sein.

Die Gründe für den Sieg Illinois’ liegen allerdings auch in Wisconsins Niederlage bzw. an deren Gameplan. Mit Star-RB Jonathan Taylor hatten die Badgers eigentlich den Schlüssel zum Erfolg. Dieser passte aber nicht zum Schloss, denn das Laufspiel blieb mit 3.6 Yds pro Versuch deutlich unter dem Saisonschnitt von 5.1 Yds pro Versuch. Hinzu kam, dass der bislang für Wisconsin-Verhältnisse exzellent QB Coan einen mittelmäßigen Tag erwischte und das durchschnittliche Laufspiel nicht adäquat ausgleichen konnte. Eine grauenhafter Pick bei eigener Führung von 23-21 mit etwas mehr als zwei Minuten auf der Uhr ermöglichte den Illini den erneuten Ballbesitz. Diesen nutzte Illinois durch kurze, aber effiziente Läufe von den Running Backs Dre Brown und Reggie Corbin, um Zeit von der Uhr zu nehmen, damit der eigene Kicker zum entscheidenen Kick ansetzen durfte. James McCourt entschied dann schließlich aus 39 Yds durch ein Field Goal bei auslaufender Uhr. Erwähnenswert ist, dass er in der Partie bereits ein Field Goal verschoss.

Für das Team von Head Coach Paul Chryst war es natürlich eine mehr als bittere Pleite. Waren die Badgers doch bislang in vier von sechs Spielen ohne Gegenpunkte geblieben und hatten auf einen echten Top-10 Showdown gegen das bis jetzt ungeschlagene Ohio State am nächsten Samstag gehofft. So muss diese Woche dazu genutzt werden, um den Schock zu verarbeiten.

Mit dem Schrecken davon gekommen

Texas präsentierte sich nach der Niederlage in der Red River Rivalry gegen Oklahoma nicht gerade von der besten Seite. Gegen den inoffiziellen Fußabtreter der Big 12, Kansas, gewannen die Longhorns äußerst knapp mit 50-48 mit einem Field Goal in den letzten Sekunden des Spiels. Insbesondere die Defense zeigte sich in keinem guten Zustand. Sie ließ 569 Yards zu. Alarmierend war die Leistung der Run Defense, sie ließ im Schnitt 6.6 Yds pro Lauf zu.

Die Offense spielte zwar eine sehr solide Partie, allerdings ermöglichten zwei Turnover der Longhorns jeweils Touchdowns der Jayhawks in den drauf folgenden Drives. Für Texas war es ein wichtiger Sieg, denn ein möglicher Konkurrent um den Einzug in das Big 12 Championship Finale, die Baylor Bears bezwangen die Oklahoma State Cowboys auswärts und bleiben ungeschlagen.

Hot Seat Harbaugh?

Ich ahnte bereits in meiner Preview zur Woche 8, dass Michigan Probleme in State College bekommen könnte. So kam es dann auch letztendlich. Michigan um Head Coach Jim Harbaugh haben erneut eine Partie gegen einen starken Gegner verloren und sind damit mit ihrer zweiten Niederlage gegen einen Konkurrenten aus der Conference im Hintertreffen.

Zwar klingt das Endergebnis 28-21 nach einer vergleichweise knappen Partie, aber es stand bis kurz vor Ende der ersten Halbzeit 21-0 für die Nittany Lions, welche die Begegnung klar kontrolliert haben. Penn State QB Sean Clifford spielte ein sehr effizientes Spiel mit 14/25 Pässen, 182 Yds und 3 Touchdowns. Sechs Pässe fing der hochtalentierte Wide Receiver KJ Hamler und machte daraus zwei Touchdowns.

Auf der anderen Seite bleibt die Offense der Wolverines die Achillesferse. QB Shea Patterson passte gerade mal für 6.7 Yds pro Pass bei einer Interception. Der einzige Lichtblick blieb Running Back Zach Charbonnet mit 5.4 Yds pro Lauf und zwei Touchdowns. Kein Wide Receiver erzielte mehr als 100 Rec-Yds.

Für Jim Harbaugh könnte es langsam ungemütlich werden, denn es sollte eigentlich das Jahr für ihn werden. ESPN Experte Phil Steele sah die Wolverines sogar in den Playoffs und es kann mir keiner sagen, dass das nicht auch die Erwartung bei den Verantwortlichen der Uni war. Mit Notre Dame wartet am kommenden Wochenende ein weiterer Prüfstein. Sollte es hier wieder eine Niederlage geben, dürfte Harbaugh vermutlich nicht mal mehr ein Sieg gegen Ohio State am Rivalry-Weekend Ende November helfen.

Aus dem Notebook

Apropos Hot Seat: Im College Football Daily Podcast hieß es, dass die sportliche Leitung der Florida State University über ein mögliches Exit-Szenario für Head Coach Willie Taggart nachdenkt. Taggarts Buyout liegt bei 16 bis 17 Mio. Dollar, was selbst für die steinreiche FSU eine stolze Summe darstellt. Im Gespräch als Nachfolger soll niemand geringeres als Ex-Florida Head Coach Urban Meyer sein. Ob tatsächlich was dran ist, müssen wir mal abwarten. Noch wird das alles von Seiten Florida State vehement dementiert.

Das Spiel North Carolina bei Virginia Tech bot ein Novum im College Football. Es ging in die sechste Overtime und ab der fünften Overtime werden ab dieser Saison nur noch Two-Point-Conversions ausgespielt. Virginia Tech gewann das Spiel trotz der herausragenden Leistung von UNC QB Sam Howell, der 348 Pass-Yds und 5 Touchdowns erzielte.

Bitter blamiert hat sich hingegen die Miami University mit ihrer Heimniederlage gegen das äußerst suspekte Georgia Tech. Auch dieses Spiel ging in die Overtime. Die ACC Coastal war bereits vor der Saison als nicht besonders stark angesehen, aber das hier schießt den Vogel ab:

Wieder etwas mehr Optimismus dürfte in die Pac-12 eingekehrt sein. Zwar machte mich die Niederlage Stanfords gegen das instabile UCLA etwas fassungslos, dies wurde dann aber wieder durch die starken Auftritte von Oregon bei Washington und Utah zu Hause gegen Arizona State ausgeglichen. Erwähnenswert: Die Utah Defense hielt den talentierten Freshman-QB der Sun Devils Jayden Daniels bei 4/18 Pässen für 25 Yds und 1.4 Yds pro Pass.

Von Optimismus dürften die Northwestern Wildcats aktuell weit entfernt sein. Bereits in der Nacht von Freitag auf Samstag verlor das Team aus der Region Chicago zu Hause gegen Ohio State mit 3-52. Die blutleere Offense kommt in dieser Saison auf 3.6 Yds pro Lauf und magere 4.1 pro Passversuch, unterirdisch. Die an sich starke Defense konnte aber gegen den hervorragend spielenden Buckeyes QB Justin Fields nichts ausrichten.

Sooners Watch Woche 9

Für Oklahoma ist trotz des besten Startrekordes von 7-0 nach 2004 nicht alles Gold was glänzt. Zwar war QB Jalen Hurts beim Pflichtsieg gegen West Virginia mal wieder herausragend und die Defense lieferte ebenfalls wieder eine sehr gute Partie ab, dennoch ist Defensive Coordinator Alex Grinch nicht mit der Ausbeute an Turnovern zufrieden.

Sein eigentlicher Ansatz, möglichst viele Interceptions zu fangen und Fumbles zu forcieren, geht bis jetzt nicht wirklich auf. Gerade was das Fangen von Interceptions angeht, scheinen die Defensive Backs der Sooners mit Butterfingern zu spielen.

Ein weiteres Ärgernis sind die frühen Kickoff-Zeiten. Das Spiel am Samstag gegen Kansas State wird bereits das fünfte Spiel hintereinander sein, welches um 11 Uhr Ortszeit angekickt wird. Was für den gemeinen europäischen Zuschauer eine günstige Uhrzeit ist, ist für die Sooners ein Graus, da es die Recruting-Bemühungen um einiges erschwert. Begehrte Recruits spielen in der Regel am Abend vorher noch High-School-Football und haben anschließend nur ein sehr kleines Zeitfenster um Heimspielen der Sooners einen offiziellen Besuch abzustatten. Für ein Programm, das als Aushängeschild der Conference gilt, ist dies doppelt unverständlich. Ich gehe deshalb davon aus, dass die letzten Spiele der Saison gegen ISU, Baylor, TCU und Oklahoma State dann alle frühestens um 21:30 deutscher Zeit beginnen werden.

Zum Spiel am Samstag: Die Kansas State Wildcats spielen eine effiziente Defense, die zu den besten in der Big 12 gehört. Gegen den Pass lässt die Unit gerade einmal 152.5 Yds pro Spiel zu. Verwundbar ist sie allerdings gegen den Lauf, wo sie knapp 200 Yds pro Spiel zulässt. Hier wird OU-HC Lincoln Riley dann auch mit Sicherheit ansetzen und das bisher fantastische Laufspiel in Stellung bringen. Die Sooners sind mit mehr als drei Touchdowns favorisiert und das ist auch die Range, in der ich sie gegen Kansas State sehe. Es ist außerdem das Free-TV Spiel der Woche bei ProSieben Maxx, also einschalten!

Notre Dame: ein Playoff-Anwärter?

Nach der Playoff-Teilnahme im vergangenen Jahr sahen viele Experten ein erneutes Erreichen in diesem Jahr sehr skeptisch. Zu schwer sei der Spielplan Notre Dames, um wieder unter die Top-4 zu kommen. Bis auf eine knappe Niederlage gegen Georgia schlugen die Irish aber ihre Gegner überwiegend souverän und stehen nun mit einer Niederlage da. Ein Sieg bei den Wolverines kann dem Resumée Notre Dames sicherlich gut tun, auch wenn Michigan selbst mit einige Problemen zu kämpfen hat und nicht die Bilanz aufweist, die sie mit Sicherheit zu Beginn der Saison erwartet haben. Aber aus meiner Sicht ist dieses Spiel für die Irish ein echtes Trap-Game. Michigan auswärts zu spielen ist nie leicht, schon gar nicht, wenn es sich um ein Abendspiel handelt. Der Druck auf Jim Harbaugh ist groß die Saison nicht komplett an die Wand zu fahren und ich schätze dieses erfahrene Team durchaus kampfstark ein.

Notre Dame wird daher eine sehr gute Leistung beider Mannschaftsteile benötigen, um das Spiel zu gewinnen. Es kommt ihnen gut entgegen, dass das Passspiel um QB Ian Book und WR Chase Claypool bislang gut funktioniert und nun auch RB Tony Jones Jr. in den letzten drei Spielen immer über 100 Yds erlaufen hat. Eine gesunde Mischung aus Pass- und Laufspiel könnte die starke Defense Michigans knacken. Auf der anderen Seite haben die Irish das Potenzial, die notorisch verunsicherte Offense der Wolverines um QB Shea Patterson zu terrorisieren. DE Julian Okwara wird eine große Herausforderung für Michigans O-Line darstellen. Ein weiterer Faktor ist All-American-Safety Jalen Elliot.

Ich vermute, dass es eine knappe Partie mit nicht allzu vielen Punkten werden wird. Das Over/Under liegt bei 51 und ich hätte keine Probleme hier das Under zu wählen. Mein Tipp: 24:21 Notre Dame. Die Irish blieben damit zumindest auf dem Papier immer noch in Reichweite der Playoffs.

Tiger-Duell

Ein echtes Top-10 Matchup wartet auf uns bereits um 21:30 Uhr im CBS-Slot. LSU ist vielleicht neben Ohio State das kompletteste Team dieser College Football Saison und QB Joe Burrow hat sich von einem Verwalter zu einem Top-Favoriten auf die Heisman-Trophäe gemausert. Mit den Auburn Tigers kommt nun ein extrem defensivstarkes Team zu Besuch. Wenn es ein Team im Westen der SEC neben Alabama gibt, welches das Passspiel von LSU bremsen kann, dann ist es Auburn. Die Defensive Line um Star-DL Derrick Brown kann regelmäßig den Quarterback unter Druck setzen und auch den Lauf des Gegners abwürgen.

Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Teams? Die Offense Auburns ist bei weitem nicht so stark wie die der LSU Tigers. QB Bo Nix ist ein Freshman und RB Whitlow fällt verletzungsbedingt aus. Spielt LSU das Spiel geduldig und diszipliniert, dürften sie normalerweise mit ihrem Heimvorteil im Rücken das Spiel gewinnen. Für Burrow könnte es ein wichtiger Meilenstein in Richtung Heisman werden, wenn er auch gegen die Monster-Defense Auburns ähnliche Zahlen auf Tableau zaubert wie in den Spielen zuvor.

Honorable Mentions

  • #13 Wisconsin @ #3 Ohio State Sa. 18 Uhr – FOX

Ja, Wisconsins Defense ist trotz der Niederlage sehr gut und ja, Jonathan Taylor ist der beste Running Back des Jahres. Es wird dennoch nicht reichen, die Buckeyes zu schlagen. Sie zerstörten die Elite-Defenses von Michigan State und Northwestern im Vorbeigehen. Mir fehlt die Vorstellungskraft wie Wisconsin diese Offense stoppen soll, zumal die Defense der Buckeyes ebenfalls Elite ist.

  • #15 Texas @ TCU Sa. 21:30 Uhr – FOX

Texas ist Favorit mit einem Punkt. Kann TCU Sam Ehlinger bremsen? Wenn ja und sie profitieren von der verletzungsgeplagten Defense der Longhorns, kann es ein bitterer Tag für Texas werden.

  • Arkansas @ Alabama So. 01:00 Uhr – ESPN

Alabama spielt höchstwahrscheinlich ohne den am Knöchel verletzten Tua. Vermutlich würde Alabama aber auch mit Head Coach Nick Saban als Quarterback gegen Arkansas gewinnen, dennoch dürfte man in Tuscaloosa hoffen, dass keine Verletzungen mehr dazu kommen, denn in zwei Wochen wartet der Showdown gegen LSU.

Nicht verpassen solltet ihr…

Zu guter Letzt

In der kommenden Woche werde ich einen genaueren Blick auf die aktuellen Conference-Standings und ein paar bemerkenswerte Stats der aktuellen Saison werfen. Es wird entsprechend eine verkürzten Rückblick auf den vergangenen Spieltag geben.