Es dauerte seine Zeit, aber mittlerweile habe ich den Upset der Sooners gegen die Kansas State Wildcats weitestgehend verdaut. Es war eine schmerzhafte Niederlage, denn es war, anders als das Endergebnis von 41-48 suggeriert, an sich kein knappes Spiel. Vom Ende des ersten Quarters bis zum letzten Touchdown der Wildcats kurz nach dem vierten Quarter erspielte Kansas State 41 zu 6 Punkte, nachdem die Sooners im ersten Quarter noch zwischenzeitlich mit 10-0 geführt haben. Sowohl Offense, Defense als auch Special Teams der Sooners konnte an diesem Samstag nichts von der Dominanz an den Tag legen, die man bis dahin von ihnen gewohnt war. Auch Lincoln Riley erwischte keinen guten Tag. Zahlreiche sehr konservative Playcalls u.a. bei 4th and short kurz vor der gegnerischen Endzone kicken zu lassen, ist eher ungewöhnlich für jemanden von dem man mutigere Playcalls gewohnt ist. Auch lief die Offense über wesentliche Strecken ausschließlich über Jalen Hurts und zwar inkl. Laufspiel. Das Running Back Duo Trey Sermon und Kennedy Brooks bekamen den Ball insgesamt sechs Mal für insgesamt 11 Yds überreicht.

Kudos bekommen die Wildcats dennoch von mir, denn ihr Quarterback Skylar Thompson erwischte im Passspiel einen hervorragenden Tag und konnte mit seinen haargenauen Pässen regelmäßig gute Situationen für zeitraubende Laufspielzüge erspielen. Mit insgesamt 4 Rush-TDs trug Thompson wesentlich zum Sieg der Wildcats bei. Hinzu kam hervorragendes Blocking der O-Line und besonders mit dem Scheme Kansas States tat sich OUs Defense schwer. Immer wieder wurden Playaction-Pässe gecallt, welche für Big 12 Verhältnisse aus I-Formation gespielt wurden. Zum Ende hin kam OU zwar noch bis auf einen Touchdown ran und erspielte sich vermeintlich noch den Onside-Kick kurz vor Schluss, aber da der Ball nach 9.5 Yards von Trejan Bridges berührt wurde, bekam Kansas State den Ball und konnte abknien. Ob Bridges bei dem Versuch zum Ball hingeblockt wurde, spielt jetzt im Nachhinein keine Rolle mehr und es bleibt mir nichts anderes übrig als den Wildcats zum verdienten Sieg zu gratulieren.

Ranking Update

Conference-Rundumblick

Mit dem Ende des Oktobers ist die reguläre Saison im College Football zu gut zwei Dritteln gespielt und der November ist der Monat, wo traditionell Nägel mit Köpfen gemacht werden. Ich nutze daher die Gelegenheit, einen Blick auf die aktuellen Conference-Zwischenstände zu werfen und eine Bewertung in Bezug auf die Playoff-Chancen der relevantesten Vertreter zu beleuchten.

Big 12

TeamConf.-RecordRecord
Baylor4-07-0
Oklahoma4-17-1
Iowa State3-25-3
Kansas State2-25-2
TCU2-24-3
Oklahoma State2-35-3
West Virginia1-33-4
Kansas1-43-5
Texas Tech1-43-5

Für die Big 12 war es ein rabenschwarzes Wochenende. Alle gerankten Teams der Conference kassierten Niederlagen gegen Conference-Rivalen, was zwar für Spannung innerhalb der Big 12 sorgt, aber für die Playoff-Chancen nicht gerade förderlich ist.

Großer Gewinner waren letztendlich die Baylor Bears, die spielfrei hatten. Nach ESPN FPI hat Oklahoma mit 67% noch die besten Karten die Conference zu gewinnen, dahinter folgt Baylor mit knapp 23%. Die Sooners müssen aber noch mit November nach Waco und zum Rivalry-Weekend nach Stilwater zum Bedlam gegen Oklahoma State. Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, dass eine zweite Niederlage das Playoffaus bedeuten würde und nach dem letzten Wochenende kann ich das definitiv nicht ausschließen. Für mich bleibt trotz der bislang tadellosen Bilanz Baylors OU der einzige relevante Anwärter auf einen Playoffplatz seitens der Big 12. Zu schwach waren Baylors Gegner und zu mittelmäßig war die Leistung der Bears bislang.

ACC

Atlantic

TeamConf.-RecordRecord
Clemson6-08-0
Wake Forest2-16-1
Louisville3-25-3
Florida State3-34-4
Boston College2-34-4
NC State1-24-3
Syracuse0-43-5

Coastal

TeamConf.-RecordRecord
Virginia3-25-3
North Carolina3-24-4
Virginia Tech2-25-2
Pittsburgh2-25-3
Duke2-34-4
Miami2-34-4
Georgia Tech1-32-5

Vermutlich ist der Pfad Clemsons in Richtung des Conference-Sieges und einer Playoff-Teilnahme am eindeutigsten im Vergleich zu allen anderen Power-5 Conferences. Die Tigers haben laut FPI eine Wahrscheinlichkeit von knapp 80% die restlichen Spiele zu gewinnen und knapp 95% die Conference zu gewinnen. Das wäre gleichbedeutend mit der Playoff-Teilnahme. Viel Gegenwehr ist nicht zu erwarten, zumal die ACC Coastal aktuell nicht in der Lage ist, einen eindeutigen Anwärter auf den Divisionssieg hervorzubringen.

Pac-12

North

TeamConf.-RecordRecord
Oregon5-07-1
Stanford3-34-4
Oregon State2-23-4
Washington2-35-3
Washington State1-44-4
California1-44-4

South

TeamConf.-RecordRecord
USC4-15-3
Utah4-17-1
UCLA3-23-5
Arizona State2-35-3
Arizona2-34-4
Colorado1-43-5

Noch vor ein paar Wochen habe ich die Pac-12 quasi beerdigt. Zu seltsam gestalteten sich die Ergebnisse und eine regelmäßige Kanibalisierung setzte ein. So schien es zumindest, denn nach der Niederlage von Oklahoma und von Notre Dame (14-45 bei Michigan) sind die Chancen wieder gestiegen, evtl. doch einen Vertreter in die College Football Playoffs zu entsenden.

Im Fokus: die Oregon Ducks im Norden und die Utah Utes im Süden. Beide Teams waren bereits in der Preseason Dark Horses mit gewissem Potenzial für mehr als nur den Conference-Sieg. Beide Teams kassierten bislang je eine knappe Niederlage und kommen sich in der regulären Saison nicht mehr in die Quere. Gewinnen beide ihre restlichen Spiele und treten dann in einem Conference-Finale gegeneinander an, wird der Sieger mit einer 12-1 definitiv ein Faktor in der finalen Playoff-Diskussion sein.

Das kommende Wochenende wird für beide Teams wegweisend sein, denn Oregon spielt bei USC (Siegwahrscheinlichkeit nach FPI: 63.7%) und Utah spielt bei Washington (Siegwahrscheinlichkeit nach FPI: 47.1%). Es handelt sich dabei um die Spiele mit der jeweils niedrigsten Siegwahrscheinlichkeit. Wenn die Pac-12 aber halbwegs konstant bleibt, werden diese Spiele gewonnen und einer der beiden stolpert dann “überraschenderweise” gegen einen der kommenden Gegner.

Big Ten

East

TeamConf.-RecordRecord
Ohio State5-08-0
Penn State5-08-0
Michigan3-26-2
Indiana3-26-2
Michigan State2-34-4
Maryland1-43-5
Rutgers0-52-6

West

TeamConf.-RecordRecord
Minnesota5-08-0
Wisconsin3-26-2
Iowa3-26-2
Nebraska2-34-4
Illinois2-34-4
Purdue1-42-6
Northwestern0-51-6

Drei Teams sind in der Big Ten noch komplett ungeschlagen. Ohio State sieht dabei aktuell so unglaublich gut aus, dass ich mir aktuell absolut kein Szenario vorstellen kann, in dem die Buckeyes die Playoffs verpassen. Die Konkurrenz aus Division (Penn State) und Conference (Minnesota) spielen am übernächsten Wochenende gegeneinander. Ein Team bleibt damit ungeschlagen.

Ohio State spielt zwar noch gegen Penn State, allerdings findet das Spiel im Horse Shoe von Columbus statt und außerdem sah das Team um QB Justin Fields und DE Chase Young so dermaßen dominant aus, dass eine Niederlage kaum vorstellbar ist. Young hat momentan einen Lauf und produzierte mittlerweile 13.5 Sacks und 5 Fumbles. Durch seine massive Athletik ist er für die meisten O-Liner ein absolutes Mismatch.

Mein Tipp daher: Ohio State gewinnt die Big Ten im Finale gegen Minnesota und erreicht die Playoffs. Penn Sate erreicht dafür den Rose Bowl.

SEC

West

TeamConf.-RecordRecord
Alabama5-08-0
LSU4-08-0
Auburn3-26-2
Texas A&M3-25-3
Ole Miss2-33-5
Mississippi State1-43-5
Arkansas0-52-6

East

TeamConf.-RecordRecord
Florida4-17-1
Georgia3-16-1
Missouri2-25-3
Tennessee2-33-5
South Carolina2-43-5
Kentucky2-44-4
Vanderbilt1-32-5

Für den weiteren Verlauf der SEC werden die nächsten beiden Wochen entscheidend sein. Am jetzigen Wochenende kann beim Spiel Florida gegen Georgia eine Vorentscheidung in der East-Division fallen und am Wochenende darauf treten die aktuelle Nr. 1 der AP-Poll, LSU, und die aktuelle Nr. 2, Alabama, zum Duell der Giganten an. Die jeweiligen Sieger stehen dann in der Pole Position für eine Teilnahme am SEC-Finale Anfang Dezember in Atlanta. Der Sieger dieses Finals wird definitiv ein Playoff-Teilnehmer sein.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die SEC einen zweiten Teilnehmer in die Playoffs entsendet ist größer als in den anderen Conferences. Zu stark ist die SEC insgesamt. Eine knappe Niederlage für Alabama oder LSU im direkten Vergleich würde den Verlierer vermutlich bis zur endgültigen Verkündung der Playoff-Teilnehmer in der Diskussion halten.

Cocktail-Party zur besten Sendezeit

Zum alljährlichen Spektakel in Jacksonville treten die beiden Erzrivalen Georgia und Florida zum zweiten Mal hintereinander als Top-10 gerankte Teams an. Für beide Teams geht es um den Divisionssieg in der SEC East und damit die Teilnahme am SEC-Finale und bei einem Sieg einer Teilnahme an den Playoffs. Zu Beginn der Saison standen die Zeichen gut für einen deutlichen Sieg der Bulldogs über die Gators, aber die vergangenen Wochen liefen nicht gut für Georgia. Die beiden letzten Spiele vor der vergangenen Bye-Week waren die Niederlage gegen South Carolina und ein glanzloser Sieg gegen ein offensiv geschwächtes Kentucky. QB Jake Fromm kam bislang auf magere 1.406 Pass-Yds, 9 TDs bei 3 Interceptions. Ich hätte zu der Phase der Saison wesentlich bessere Stats von ihm erwartet. Immerhin funktioniert das Laufspiel um RB D’Andre Swift, denn im Schnitt erzielen die Bulldogs 236.9 Rush-Yds pro Spiel und 6.1 Yds pro Versuch.

Auf der anderen Seite treten die Gators seit mehreren Wochen mit ihrem Backup-QB Kyle Trask an, der sich aber bisher sehr ordentlich präsentiert hat (knapp 1.400 Pass-Yds, 14 TDs, 4 INTs). Zwar ist das Laufspiel im Vergleich zu dem Georgias nicht so dominant, trotz ihres Star-RBs Lamical Perine, das liegt u.a. auch an einer sehr inkonstanten O-Line. Eine Schwäche, welche die Bulldogs ausnutzen müssen, um die Offense der Gators möglichst eindimensional zu halten. Trask ist zwar ein passabler Passer, aber er ist kein Elite-QB, der das Spiel im Alleingang entscheiden kann. Georgias Defense ist bislang sehr stark gegen den Lauf und hielt die bisherigen Gegner bei unter 100 Yds im Schnitt pro Spiel. Sollte ihnen dies auch am Samstag gelingen, haben sie sehr gute Chancen, die Rivalry für sich zu entscheiden. QB Jake Fromm und HC Kirby Smart sind gut beraten gegen die stachlige Defense der Gators nicht übermäßig viel Risiko zu gehen und waghalsige Manöver zu minimieren. Fromm ist hier als Game Manager gefragt.

Georgia ist aktuell mit 6.5 Punkten favorisiert und ich sehe sie als Gesamtpaket stärker als die Gators. Ich traue der Gators O-Line nicht besonders, was man von Georgias O-Line, einer der besten im Lande, nicht sagen kann. Georgia gewinnt das Spiel mit 7 Punkten Unterschied. Es wäre der dritte Sieg gegen Florida in Folge.

Auf dem Weg zum New Years Six

Das unumstrittene Highlight der Group-of-Five am Samstag ist die Partie der American-Conference zwischen den ungeschlagenen SMU Mustangs und den Memphis Tigers, die bislang nur eine Niederlage auf dem Konto haben. Memphis wird zudem Schauplatz der ESPN College Gameday Show sein, ein weiterer Ritterschlag für die Partie.

Es ist durchaus möglich, dass wir eine punktereiche, von der Offense geprägte Partie sehen werden. Beide Quarterbacks haben jeweils über 20 Touchdowns erzielt und für über 2.000 Yds gepasst. Beide Running Back Starter erliefen je über 800 Yds und erzielten bisher eine zweistellige Anzahl an Touchdowns. Pro Spiel erzielt SMU im Schnitt knapp über 500 Total-Yds, Memphis knapp unter 500 Total-Yds.

Für SMU wäre ein Sieg gegen Memphis ein riesiger Schritt in Richtung Divisionssieg und dies wiederum könnte ein Endspiel gegen ein One-Loss Cincinnati-Team zur Folge haben, sollten die restlichen Spiele gewonnen werden. Es ist zwar noch ein langer Weg dahin, aber unmöglich scheint dies nicht mehr. Meine Erwartungen für Samstag: Es wird lange Zeit ein spannende Partie sein, denn es wird sich keines der Teams groß absetzen können und am Ende gewinnt SMU knapp mit drei Punkten Vorsprung und bleibt damit ungeschlagen. Sie verbleiben damit im Rennen um einen Platz im Cotton Bowl.

Im Windschatten

Wie bereits weiter oben erwähnt, ist das USC-Spiel das nach FPI am schwersten zu meisternde verbliebene Spiel der Ducks auf ihrem Spielplan. USC befindet sich aktuell auf einem kleinen Hoch nach zwei Siegen hintereinander und speziell das Wide Receiver Corps trumpft stark auf. Auf Michael Pitman und Amon-Ra St. Brown kann sich die Trojans Offense verlassen.

Mit der Defense der Ducks bekommt es die Trojans Offense nun mit einem großen Kaliber zu tun. Oregon lässt gerade mal etwas mehr als 300 Yds pro Spiel zu und hat seine Stärken gegen den Lauf. Hinzu kommt, dass USC mit Freshman-QB Slovis einen vergleichsweise wenig erfahrenen Quarterback under Center hat.

Auf der anderen Seite des Balles spielt Top Prospect Justin Herbert hinter einer monströsen O-Line, deren Spieler regelmäßig zu den besten des Landes gehören. Oregon spielt zwar nicht immer dominant, konnte sich aber bislang erfolgreiche den Chaosgesetzen der Pac-12 entziehen. Es wird vermutlich auch keinen Blowout im Coliseum von LA geben, dennoch tippe ich auf einen Sieg der Ducks mit einem Touchdown Unterschied.

Honorable Mentions

  • NC State @ #23 Wake Forest 17 Uhr – ESPN

Ziemlich dünner früher Slot an diesem Wochenende. Die vielleicht relevanteste Partie ist daher vermutlich das Heimspiel der Deamon Deacons gegen das Wolfpack. Wake Forest hat den Luxus, dass sie ihren verletzten QB Jamie Newman adäquat mit dem talentierten Sam Hartman ersetzen konnten. NC State ist offensiv wesentlich schwächer auf der Brust, dennoch sollten wir sie nicht abschreiben. Wake Forest ist im übrigen ein legitimer Anwärter auf die Teilnahme am renommierten Orange Bowl.

  • #22 Kansas State @ Kansas 20:30 Uhr – FS1

Wer hätte das gedacht, dass diese Rivalry eine gewisse Relevanz erhalten würde? Die Wildcats sind 5-2 und können nach dem Sieg gegen Oklahoma kaum laufen, während Kansas bereits jetzt schon 3 Siege einfahren konnte. Der letzte allerdings war mehr als kurios.

  • #9 Utah @ Washington 21 Uhr – FOX

Die zweite relevante Partie der Pac-12. Utah mit einer brutalen Defense gegen ein etwas gerupftes Washington, was man jedoch nie unterschätzen darf, schon gar nicht im heimischen Seattle. Utah patzte bereits in der Conference gegen USC und muss unbedingt gewinnen, um sich zumindest eine kleine Playoff-Chance zu bewahren.

Nicht verpassen…

…solltet ihr meinen Gastartikel im Blog von Matthias Gindorf zu meinem Erlebnis in South Bend. Ansonsten widmen die Kollegen vom CFB Germany Podcast in ihrer aktuellen Folge einen großen Teil der Zeit dem aktuellen Status der Big 12.

Zu guter Letzt

Die NCAA, der Dachverband im College Football, hat in dieser Woche angekündigt, dass sie College Athleten für ihre sportlichen Leistungen entschädigen wollen. Bereits ein paar Wochen zuvor unterschrieb der Gouverneur Kaliforniens ein Gesetz, welches Spielern ab dem Jahr 2023 ermöglichen soll, finanzielle Kompensationen zu erhalten. Eine mögliche Folge könnte die Rückkehr des Spiels NCAA Football von EA Sports sein.

Wegen der überdurchschnittlich hohen Anzahl an guten Matchups wird die Review von Woche 10 in der kommenden Woche etwas kürzer ausfallen und ich werde mich etwas intensiver der Vorschau für die Spiele der Week 11 widmen.