Mit der Entlassung Willie Taggarts als Head Coach der Florida State Seminoles dürfte das Coaching Carousel an Fahrt gewinnen. Die Seminoles verloren am Samstag die In-State-Rivalry gegen die Miami Hurricanes, was das Fass zum überlaufen gebracht hat. Taggart war nicht einmal zwei Jahre Head Coach des renommierten Teams aus Florida und dürfte das ganze auch als eine Art Befreiung sehen, denn die Entschädigung liegt wohl zwischen 17 und 18 Mio. $. Für Florida State wiederum ist es die zweite enttäuschende Saison hintereinander. Der Anschluss an den Conference-Primus Clemson gerät immer weiter außer Reichweite, denn die Tigers haben in Sachen Recruiting in den letzten Monaten Fakten geschaffen und dürften in 2020 eine der stärksten Recruiting-Klassen der Geschichte bekommen. Immerhin ist FSU immer noch eine prestigeträchtige Universität, die eine große Anziehungskraft auf potenzielle Kandidaten haben dürfte.

Unabhängig davon, wer neuer Head Coach wird, ist das Umfeld kein einfaches. Die Zuschauerzahlen gehen zurück, die Fans sind Durststrecken dieser schlichtweg nicht gewohnt. Auch der finanzielle Spielraum dürfte auf Grund des immensen Boyouts Taggarts begrenzt sein und Recruiting in Florida ist wegen der massiven Konkurrenz nicht einfach. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass der Job eine echte Mammutaufgabe ist.

Ranking Update

Kurzer Rückblick auf Woche 10

Bereits um 17 Uhr startete der frühe Slot an Spielen am vergangenen Samstag, da die Zeitumstellung auf Winterzeit in den USA erst am Sonntagvormittag unserer Zeit erfolgte. Dieser frühe Slot war allerdings so dermaßen unspektakulär, dass ich mich sehr schwer tat, mich für ein Spiel zu entscheiden. Fast alle Spiele tendierten schnell in eine Richtung und Spannung war vielerorts Mangelware. Einzig die Partie Nebraska @ Purdue war eng und das trotz der Tatsache, dass auf Seiten Purdues zahlreiche Leistungsträger verletzungsbedingt fehlten, u.a. QB Sindelar und WR und Allzweckwaffe Moore. Angeheizt durch Boilermaker-Urgestein Drew Brees blieb Purdue immer wieder dran und konnte seinen letzten Drive durch einen schönen TD-Run von Wide Receiver David Bell für 9 Yds krönen. Nebraskas Offense konnte schlussendlich nicht mehr kontern.

Der nächste Slot an Spielen war dann aber zum Glück deutlich attraktiver. Die Notre Dame Fighting Irish taten sich extrem schwer mit Virginia Tech, konnten aber auch im letzten Drive den Sieg erringen. Die World’s largest Cocktail Party war von schlechtem Laufspiel und kurzen Pässen geprägt, hatte dann aber doch ihren Höhepunkt mit einem langen TD-Pass von Georgia-QB Jake Fromm, der in dieser Saison die weiten Pässe scheute wie der Teufel das Weihwasser. In der Group of Five stand dann in der Nacht zum Sonntag das Topspiel der One-Loss Memphis Tigers gegen die bis dato ungeschlagenen SMU Mustangs an. In der punktreichen Partie kassierten die Mustangs ihre erste Niederlage gegen den Conference-Rivalen. In der Big 12 dagegen konnten die Baylor Bears bereits in der Nacht zum Freitag die eigene Siegesserie ausbauen. Knapper als gedacht, konnten sie eine durch Turnover geprägte Partie gegen West Virginia mit 17-14 gewinnen.

Sooners Watch Woche 11

Die Sooners durften nach der bitteren Pleite im “little Apple” gegen Kansas State ihre Wunden lecken, denn sie hatten in Woche 10 spielfrei. Wie effizient das war, dürfen sie im Primetime-Spiel gegen die Iowa State Cyclones unter Beweis stellen. Ab jetzt gibt es für Oklahoma nur noch Endspiele, will man die eigenen Playoff-Chancen am Leben erhalten. Dass das Spiel gegen die Mannschaft von Head Coach Matt Campbell kein Selbstläufer wird, dürfte den Verantwortlichen klar sein, denn das letzte Heimspiel gegen die Cyclones vor zwei Jahren ging sensationell verloren.

Iowa State ist trotz seiner bereits drei Niederlagen, davon zwei in der Big 12, ein gutes Team. Die kumulierte Punktzahl der drei Niederlagen beträgt 10. Es waren also alles sehr knappe Niederlagen. Dank Sophomore-QB Brock Purdy gehört die Passing-Offense der Cyclones zur Top-10 des Landes. Mit knapp 69% Completion-Percentage gehört Purdy zu den sichersten Passern der Big 12. Purdy steht ein tiefes Wide Receiver Corps zur Verfügung und er ist dadurch nicht auf eine, überdurchschnittlich starke Anspielstation abhängig. Die meisten Receptions hat WR Deshaunte Jones mit 52, aber nur einem Touchdown. Die meisten Touchdown-Receptions hat TE Cahrlie Kollar mit 5 Touchdowns. Das Laufspiel ist mit der Sooners zwar nicht ganz vergleichbar, aber RB Breece Hall erzielt immerhin 5.9 Yds per Carry bei 7 Touchdowns. Die Defense der Cyclones ist nach S&P+ Nr. 16 im Lande und dürfte auch die explosive Offense der Sooners vor einige Herausforderungen stellen. Herausragender Akteur ist Sophomore-LB O’Rien Vance mit bereits 6.5 Sacks und 6.5 TFL. LB Marcel Spears ist ein guter Off-Ball Linebacker und DB Anthony Johnson der beste Passverteidiger.

Der Gameplan der Sooners muss darauf ausgelegt sein, möglichst schnell klare Verhältnisse zu schaffen und anders als im letzten Spiel auch die eigenen talentierten Running Backs stärker involvieren. Kennedy Brooks und Trey Sermon hatte insgesamt nur 6 Carries gegen Kansas State. Die Defense der Sooners zeigte die bislang schwächste Leistung in Manhattan und muss gerade in Sachen QB-Pressure von Seiten der D-Line eine Steigerung her. Wenn Brock Purdy zu viel Zeit in der Pocket erhält, dürfte es ein langer Tag für Sooners Defense werden. Dank des Heimvorteils sehe ich die Sooners vorne. Die Betting Line liegt aktuell bei 14 Punkten zu Gunsten der Sooners, was mir aber etwas zu hoch erscheint.

Vorentscheidung in der SEC West?

Das Duell, welches als Nr.1 gegen Nr.2 gehyped wurde, ist laut CFB-Komitee letztendlich “nur” die Nr.2 gegen die Nr.3. Es wird dennoch das Highlight des Wochenendes sein und hat Potenzial zum Höhepunkt der regulären Saison zu werden.

Beide Teams sind bekanntlich ungeschlagen. Nicht nur das, beide Teams sind bis dato absolut überzeugend durch die Saison marschiert, was die gute Ausgangsposition der Teams zur Folge hat. Ein Beispiel für die Dominanz der beiden Kontrahenten: LSU erzielte nur in zwei Spielen weniger als 40 Punkte, Alabama gar nur in einem. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Stärke des jeweiligen Quarterbacks und des dazugehörigen Supporting Casts. Crimson Tide QB Tua Tagovailoa ist zwar am Knöchel angeschlagen und konnte die letzte Partie gegen Arkansas nicht mitspielen, dennoch ist seine aktuelle Bilanz herausragend. 2.166 Pass-Yds, eine Completion-Percentage von knapp 75%, 27 Touchdowns und bei nur 2 Interceptions sind Wahnsinsswerte. Seine erste Interception warf er gar erst im sechsten Spiel der Saison gegen Texas A&M. Große Unterstützung bietet ihm aber sein Receiving Corps, welches vermutlich das tiefste, talentierteste und vielseitigste im gesamten College Football ist.

Diese vier Ausnahmeathleten produzierten bis dato über 2.000 Rec-Yds und fingen 24 der 27 Touchdowns Tuas. Hinzu kommt das Laufspiel um die beiden Running Backs Najee Harris und Brian Robinson, die auf insgesamt 1.000 Rush-Yds kommen und kumulierte 9 Touchdowns per Lauf erzielten.

Auf Seiten der LSU Tigers steht eine nicht minder talentierte Offense auf dem Feld. Angeführt wird diese von Senior-QB Joe Burrow, der bis zu Beginn der 2019er-Saison als Verwalter ging und weniger spektakulärer Passer. LSU Head Coach Ed Orgeron verpflichtete jedoch Joe Brady von den New Orleans Saints als Passing Coordinator. Dieser unterstützt Offensive Coordinator Steve Ensminger und dies führt bislang dazu, dass das Passspiel der Tigers geradezu explodiert ist. Burrow toppt die Werte von Tua noch mit: 2.805 Pass-Yds, knapp 80% Completion-Percentage, 30 Touchdowns bei 4 Interceptions. Werte, die für LSU in den letzten Jahren undenkbar wären, denn die Offenses der Vergangenheit waren komplett auf den Lauf fokussiert. Mit RB Clyde Edwards-Helaire hat man zusätzlich zum starken Passspiel aber auch einen sehr starken, physischen Back in seinen Reihen. Edwars-Helair produziert knapp 6 Yds pro Lauf und erzielte bereits 8 Touchdowns. Prunkstück der Offense ist aber auch bei LSU das ebenfalls bockstarke Receiving-Corps.

Insbesondere Justin Jefferson und Ja’Marr Chase zeigten in dieser Saison schon extrem spektuläre Catches. Knackpunkt könnte auf beiden Seiten die jeweilige Offensive Line sein, denn Alabamas ließ bereits 9 Sacks zu und die der LSU Tigers sogar 15.

In der Defensive gehören sowohl die Crimson Tide als auch die Tigers zu den Top-20 Verteidigungen des Landes. Für beide Programme ist das jedoch nichts überraschendes. Tendenziell ist es vermutlich das erste Duell seit langem, vor dem mehr über die Offenses als über die Defenses gesprochen wird. LSU hat nominell eine sehr starke Secondary, musste aber schon einiges an Pass-Yards einstecken. Spiele gegen Texas und Vanderbilt zeigten, dass das Defensive Backfield trotz Superstar-Safety Grant Delpit und den CBs Kristian Fulton und Derek Stingley ziemlich löchrig sein kann. Erschwerend kommt hinzu, dass LB-Starter Michael Divinity im Laufe dieser Woche das Programm aus persönlichen Gründen verlassen hat. Auf Seiten Alabamas ist Star-LB Dyllan Moses bereits früh in der Saison verletzungsbedingt ausgefallen. Sowohl auf der Weak Side als auch in der Mitte müssen Freshman ran. Druck in der D-Line wird hauptsächlich von Raekwon Davis erzeugt. In der Secondary vertraut Head Coach Nick Saban die CBs Trevon Diggs und Patrick Surtain und das Saftey-Duo McKinney/Mayden. Letztere kommen auf insgesamt drei Interceptions, erstere auf 5.

Ich gehe davon aus, dass Tua nach seiner Verletzung spielen wird und es ein Spiel sein wird, was tatsächlich von den beiden Offenses geprägt sein wird. Beide Defenses werden bemüht sein, den einen oder anderen Stopp zu erkämpfen, um die jeweils eigene Angriffsreihe schnell wieder in Ballbesitz kommen zu lassen. Wegen der größeren Erfahrung von Alabama Head Coach Nick Saban, dem etwas talentierteren supporting Casts der Crimson Tide und nichtzuletzt dem Heimvorteil, tippe ich auf einen knappen Sieg Alabamas mit 4 Punkten unterschied.

Big Noon in der Big Ten

Die Begegnung der Penn State Nittany Lions bei den Minnesota Golden Gophers ist eine vergleichsweise ungleiche Partie, trotz der Tatsache, dass auch diese beiden Teams noch ohne Niederlage bei 8-0 stehen. Während die Gophers sich am Anfang der Saison von Spiel zu Spiel quälten und die ersten vier Spiele nie mit mehr als einem Touchdown unterschied gewinnen konnten und erst in den letzten vier Spielen explodierten, marschiert Penn State, mit einigen kleineren Ausnahmen seit Anfang der Saison souverän.

Auch die längere Vergangenheit entzweit diese beiden Programme. Minnesota ist traditionell ein durchschnittlich starkes Programm in der Big Ten West und die letzte Saison mit einer zweistelligen Anzahl an Siegen gab es im Jahr 2003. Penn State hingegen ist ein traditionelles Blue Blood Programm, welches ausschließlich im Schatten des übermächtigen Ohio State steht und sich in den letzten Jahren immer mehr zum einzig legitimen Konkurrenten in der East-Division gemausert hat.

Minnesota stellt eine ausgeglichene Offense. Sowohl das Passspiel von QB Tanner Morgan als auch das Laufspiel über RB Rodney Smith gehören zum Erfolgsrezept des charismatischen Head Coaches P.J. Fleck, dessen Vertrag in dieser Woche um 7 Jahre verlängert wurde. Die Golden Gophers erzielen im Schnitt 38.4 Punkte pro Spiel, was nur minimal unter der dem Punkteschnitt von Penn State liegt (38.5).

Wesentlicher Unterschied ist die sehr starke Penn State Defense, die aktuell im Schnitt unter 10 Punkte pro Spiel zulässt. Nach S&P+ ist sie damit die Nr. 6 Defense im Lande. In der Defensive Line gehört DE Yetur Gross-Matos mit seinen 5.5 Sacks zu den Stützen, bei den Linebackern ist Sophomore Micah Parsons mit 57 Tackles.

Bleibt die Defense auch in diesem Spiel stabil, macht es den Weg frei für QB Sean Clifford und seine Go-to-Guy WR K.J. Hamler, der bereits 8 Touchdowns fangen konnte. Mein Tipp: Penn State gewinnt und covered die 6.5 Punkte, mit denen sie favorisiert sind.

Honorable Mentions

#12 Baylor @ TCU Sa. 18:00 Uhr – FS1

TCU war bereits für Texas ein Stolperstein, weswegen die Rivalry für Baylor nicht unbedingt ein Selbstläufer sein wird.

#16 Kansas State @ Texas Sa. 21:30 Uhr – ESPN

Kansas State mit drei Siegen nacheinander, Texas aktuell mit zwei Niederlagen in den letzten beiden Spielen. Verliert Texas wird der Einzug in das Big 12 Finale unwahrscheinlich.

#18 Iowa @ #13 Wisconsin Sa. 22:00 Uhr – FOX

Der Sieger hält den Anschluss in der Big Ten West und hat die Möglichkeit bei einer Niederlage Minnesotas im jeweils direkten Duell gegen die Gophers den Big Ten West Titel zu gewinnen, wenn keine weitere Niederlage dazu kommen sollte.

Zu guter Letzt

Krankheitsbedingt ist der Blogpost diese Woche etwas kürzer ausgefallen als ursprünglich gedacht.