College Column 2019: Post SZN

Am kommenden Samstag findet mit der Partie Army gegen Navy das symbolische Ende der regulären Saison im College Football statt. Nicht irgendeine Saison: Es ist immerhin die 150. CFB-Saison, die sich dem Ende neigt. Bereits am vergangenen Wochenende wurden die Playoffs, die weiteren Bowl Games und die Top-25 durch das Playoff-Komitee bekannt gegeben. Was die Playoffs betrifft, gab es keine großen Überraschungen, da das letztendliche Szenario nur noch einen, finalen vierten Teilnehmer zuließ und das waren die Oklahoma Sooners. Einen ausführlichen Rückblick auf die Spiele des genannten Wochenendes findet ihr in folgender Folge des Saturday Kickoff Podcasts.

Ranking-Update

Eine Frage der Ehre

Army vs. #23 Navy Sa. 14.12. 21:00 Uhr – CBS

Selbstverständlich darf das Army vs. Navy Spiel in diesem Artikel nicht zu kurz kommen. Es ist schließlich die einzige College Football Partie, die an diesem Wochenende gespielt wird. Austragungsort des Matchups in diesem Jahr ist das Lincoln Financial Field in Philadelphia, Heimstätte der Philadelphia Eagles.   

Traditionell sind die sogenannten Service-Acadamies (Army, Navy Air Force) für ihre Option-Offense bekannt. Das bedeutet im Klartext sehr viel Laufspiel und hier und da mal ein Pass, wenn es hoch kommt. So wird es auch in diesem Jahr kommen, denn beide Teams erzielen im Schnitt gut drei Mal mehr Yards per Lauf als per Pass.

Favorit sind in diesem Jahr die Navy Midshipmen, die gut 39 Punkte pro Spiel erzielen und damit 9 Punkte mehr als die Offense der Army Black Knights. Defensiv kassieren die Black Knights marginal weniger Punkte als die Midshipmen (22.3 vs. 24.2). Im aktuellen Jahrhundert hat Navy 15 von 19 Begegnungen für sich entscheiden können, aber die letzten drei Vergleiche gingen allesamt auf das Konto der Black Knights. Davor gewann Navy jedoch 14 Spiele gegen den Erzrivalen am Stück. Es ist diese Jahr der insgesamt 120. Vergleich und Navy führt die Serie mit 60-52 bei 7 Unentschieden an. Bei einem Sieg von Navy geht die Commander-in-Chief’s Trophäe nach Anapolis. Bei einem Sieg von Army teilen sich Army, Navy und Air Force die Trophäe und sie verbleibt für ein weiteres Jahr in West Point beim Titelverteidiger Army.

5 x Bowl SZN (ohne Playoffs)

Ohne zu sehr auf die Playoffs blick zu wollen, die noch separat genauer unter die Lupe genommen werden, gibt es folgende Bowl-Matches, die ich besonders empfehlen kann:

Cheez-It Bowl: Air Force vs. Washington State Sa. 28.12. 04:15 Uhr – ESPN

DAS Duell der Systeme: Triple Option Offense vs. Air Raid. Die Air Force Falcons laufen pro Spiel im Schnitt knapp 57 Mal (Nr. 3 landesweit), während die Washington State Cougars knapp 17 Mal im Schnitt pro Spiel laufen (Nr. 130 von 130 landesweit). Der Schnitt der Cougars liegt weit hinter dem vorletzten San Jose State, die gut 25 Rushing Attempts pro Spiel aufweisen.

Data Point 1 (X-Achse): Pass Rate, Data Point 2 (Y-Achse): Run Rate

Quelle: https://collegefootballdata.com/

Andersrum passt kein Team mehr als die Cougars mit 55.7 Pässen pro Spiel im Schnitt. Im Vergleich dazu passt Air Force gerade mal 9.5 Mal pro Spiel. Spannend wird sein, ob es die Air Force Defense schafft die Offense der Cougars vom Feld zu halten und die eigene Offense viel Zeit von der Uhr nehmen kann. Air Force ist Favorit mit 2.5 und könnte hier tatsächlich als Sieger vom Feld gehen.

Alamo Bowl: #11 Utah vs. Texas Mi. 01.01. 01:30 Uhr – ESPN

Das 10-2 an Nummer 11 gerankte Utah gegen das 7-5 ungerankte Texas sieht auf den ersten Blick wie eine große Verarsche für die Utah Utes aus. Mit einem Sieg im Pac-12 Finale gegen Oregon wären die Utes sehr wahrscheinlich im Peach Bowl gegen LSU gelandet und müssen sich nun mit einem mittelmäßigen Gegner in einem nicht besonders hochkarätigem Bowl begnügen. Wenn man ehrlich ist, dann sieht dieses Matchup auch bei näherem Hinsehen wie eine große Verarsche der Utes aus.

Es bleibt spannend, wer alles tatsächlich auflaufen wird, denn immerhin gibt es auf beiden Seiten den einen oder anderen Kandidaten für den NFL-Draft. Die Partie ist daher momentan eher schwer zu tippen, dürfte aber dennoch einiges an Unterhaltungspotenzial bieten. Sollte Sam Ehlinger spielen, könnte das das Key-Matchup gegen eine sehr starke Utah Defense werden.

Camping World Bowl: #15 Notre Dame vs. Iowa State Sa. 28.12. 18:00 Uhr – ABC

Zwei Teams, für die ich eine gewisse Sympathie hege, treffen zur besten Sendezeit direkt vorm CFB-Playoff aufeinander. Die Frage, die ich mir jedes Jahr stelle: Ist es das letzte Spiel für Notre Dame Head Coach Brian Kelly? Er wird gefühlt jedes Jahr mit einer Hand voll NFL-Teams in Verbindung gebracht. Dieses Jahr könnte es ihn u.U. zu den Carolina Panthers ziehen. Notre Dame spielte eine solide 10-2 Saison, verpasste jedoch einen New-Years-Six Bowl.

Iowa State unter HC Matt Campbell hatten einige (inkl. mir) vor der Saison etwas besser erwartet, aber wenn man bedenkt, woher das Team kommt, ist die dritte Winning Season hintereinander ein Erfolg für das Programm.

Citrus Bowl: #14 Michigan vs. #13 Alabama Mi. 01.01. 19:00 Uhr – ABC

Ironie des Schicksals, dass die beiden Teams, die vor der Saison wesentlich höhere Ambitionen hatten, nun in die saure Zitrone beißen müssen und sich im Citrus Bowl wiederfinden. Hätte mir vor der Saison jemand gesagt, dass Alabama weder die Playoffs noch einen New-Years Six-Bowl erreicht, hätte ich denjenigen für komplett verrückt erklärt. So ist es dann aber im College Football und die Crimson Tide wurden Opfer des Verletzungspechs.

Michigan hingegen hatte große Probleme die neue Offense von Ex-Alabama OC Gattis umzusetzen. Erst im letzten Drittel der Spielzeit gelang es effektiver zu werden, konnte aber erneut nicht gegen den Erzrivalen Ohio State gewinnen. Es war damit ein erneutes enttäuschendes Jahr unter Head Coach Jim Harbaugh.

Trotz des eher düsteren Bildes könnte es ein interessantes Matchup werden. Für Michigan wäre ein Sieg gegen Alabama ein Prestigeerfolg, der nicht zu unterschätzen wäre. Für Alabama wäre ein Sieg nicht so wertvoll wie für Michigan, aber ich schätze HC Saban so ein, dass er das Spiel gewinnen möchte und sein Team entsprechend motivieren wird, auch wenn das in der Vergangenheit bei Nicht-Playoff-Bowls eher nur mittelmäßig gut gelang.

Die wichtigste Frage für Alabama stellt sich eh erst nach der Bowl Season und zwar ob der aktuell verletzte QB Tua Tagovailoa in die NFL geht oder doch noch ein Jahr bei den Crimson Tide dranhängt. ESPN-Experte Kirk Herbstreit hat im College Football Podcast With Herbie and Pollack von seinem Interview mit Tua erzählt und schätzt die Situation so ein, dass es aktuell 50:50 steht.

Rose Bowl: #6 Oregon vs. #8 Wisconsin Mi. 01.01. 23:00 Uhr – ESPN

Einer darf nicht fehlen: The Grand Daddy of them all. Der Rose Bowl. Traditionell der Vergleich zwischen Pac-12 und Big Ten, wenn es nicht gerade ein Championship Game bzw. Playoff-Spiel ist. Dieses Jahr treffen der Sieger der Pac-12 Oregon auf den Finalisten des Big Ten Finals Wisconsin aufeinander und es könnte eine klasse Partie werden. Wisconsins Star-RB Jonathan Taylor hat bereits bekanntgegeben, dass er spielen wird. Ob das auch für Oregon-QB Justin Herbert zutrifft, bleibt abzuwarten. Herbert gilt als einer der Quarterbacks, die hoch gedraftet werden könnte. Es gilt nun für abzuwägen, ob er das Verletzungsrisiko in Kauf nimmt und versucht durch seinen Auftritt seinen Wert zu steigern oder ob er es drauf ankommen lässt und verzichtet.

Neues vom Coaching Carousel

Lane Kiffin is back! Zumindest ist er zurück in der SEC. Der umstrittene Coach verlässt FAU und heuert bei den Ole Miss Rebels an und darf ab der kommenden Saison jährlich gegen Alabama antreten, wo er bis vor ein paar Jahren als Offensive Coordinator gearbeitet hat und unter keinen schönen Umständen gegangen wurde.

Eine weitere interessante Verpflichtung ist die von Mike Norvell als Head Coach der Florida State Seminoles. Norvell verlässt dafür die Memphis Tigers, ein Programm welches auch in diesem Jahr eine hervorragende Bilanz als Group-of-Five Team aufweisen konnte und zurecht einen Platz im Cotton Bowl erreicht hat. Die Herausforderung als HC bei Florida State ist jedoch massiv, denn die letzten Jahre waren eine einzige Enttäuschung und der Abstand zum Conference-Primus Clemson ist mittlerweile gewaltig. Geduld ist bei FSU außerdem eine eher knappe Währung, was die Aufgabe für Norvell nicht leichter machen dürfte. Eine schöne Übersicht über die weiteren Verpflichtungen und Abgänge findet ihr auf der Facebook-Seite der Kollegen von College Football Germany.

Auszeichnungen

Die Finalisten für den renommiertesten Award im College Football stehen seit Anfang der Woche fest. Neben den QBs Joe Burrow (LSU), Justin Fields (Ohio State) und Jalen Hurts (Oklahoma) ist auch Defensive End Chase Young (Ohio State) untern den Spielern, die zur Zeremonie in Ney York City eingeladen wurden. Etwas erstaunlich ist die Tatsache, dass kein Running Back unter den Finalisten zu finden ist. Mit J.K. Dobbins (Ohio State), Jonathan Taylor (Wisconsin) und Chuba Hubbard (Oklahoma State) wäre durchaus potenzielle Finalisten gewesen. Die Tatsache, dass es dann aber Chase Young geworden ist, finde ich sehr gut, da er vermutlich der individuell dominanteste Verteidiger der letzten Jahre im College Football ist. Zumindest was seine Leistung in dieser Saison angeht. Großer Favorit auf den Gewinn des Awards ist allerdings Joe Burrow. Zum Wahlverfahren habe ich bereits im Sommer einen Artikel geschrieben, den ihr hier lesen könnt.

Den Broyles Award für den besten Assistant Coach gewann LSU Passing Game Coordinator Joe Brady. Er trägt einen großen Anteil am Aufstieg des effizienten Passspiels der LSU Offense. Sollte Burrow tatsächlich die die Heisman Trophäe in Empfang nehmen dürfen, ist dies auch ein Stück weit das Werk von Joe Brady.

Eine Erwähnung wert ist auch der Gewinn der Paul-Hornung-Trophäe durch Kentuckys Lynn Bowden. Der Award für den vielseitigsten Spieler im College Football geht aus meiner Sicht völlig zurecht an den Offense-Spieler der Wildcats, denn durch die Verletzungsmisere des Teams wurde er nicht nur als Wide Receiver und Running Back eingesetzt, sondern kam auch zum Ende der regulären Saison auf der Position des Quarterbacks zum Einsatz. Mit ihm wurde die Kentucky Offense zwar extrem eindimensional, aber blieb vergleichsweise erfolgreich.

Gespannt war ich persönlich sehr auf den Gewinner des Biletnikoff-Awards für den besten Receiver im Lande. Nominiert waren Oklahomas CeeDee Lamb, LSUs Ja’Maar Chase und USCs Michael Pitman. Trotz des Sieges im Fan-Voting zog CeeDee Lamb letztendlich den kürzeren und musste Chase den Vortritt überlassen.

Weitere nennenswerte Gewinner:

Maxwell Award für den besten Spieler: Joe Burrow (LSU)

Davey O’Brian für den besten Quarterback: Joe Burrow (LSU)

Doak Walker Award für den besten Running Back: Jonathan Taylor (Wisconsin)

Bednarik Award für den besten Defensive Spieler: Chase Young (Ohio State)

Jim Thorpe Award für den besten Defensive Back: Grant Delpit (LSU)

Coach of the year: Ed Oregeron (LSU)

Nicht verpassen solltet ihr…

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