CFB-Playoffs 2019: Die Vorschau

Am kommenden Samstag hat das dreiwöchige Warten endlich ein Ende und wir werden Zeuge des Kickoffs der diesjährigen College Football Playoffs. Mit drei ungeschlagenen Teams und einem One-Loss-Team ist auch dieses Teilnehmerfeld hochkarätig besetzt. Worauf man in den beiden Partien achten sollte und was die potentiellen Siegfaktoren sein könnten, schaue ich mir in diesem Artikel genauer an.

Peach Bowl in Atlanta

Direkter Vergleich

OklahomaLSU
Bilanz12-113-0
S&P+25.7 (6.)31.1 (3.)
S&P+ Offense48.0 (1.)47.8 (2.)
S&P+ Defense23.6 (41.)18.9 (22.)
Yds per Att Off10.42 (2.)9.55 (5.)
Yds per Att Def5.51 (24.)5.42 (21.)

LSU Offense vs. OU Defense

Es wird vermutlich das entscheidende Matchup des Spiels werden. LSUs QB Joe Burrow ist der beste Quarterback in dieser Saison und wurde völlig zurecht eindeutig zum Heisman-Gewinner gewählt. Mit ihrem von den New Orleans Saints inspirierten Angriffsspiel haben die Tigers dieses Jahr so ziemlich alles in Grund und Boden gespielt und das in der stärksten Conference und Division des Landes, der SEC West.

Neben der mit dem Joe Moore Award ausgezeichneten, besten O-Line des Landes besitzt die Offense der Tigers ein extrem talentiertes Arsenal an Skill-Spielern. Das Wide-Receiver-Trio Ja’Mar Chase, Justin Jefferson und Terrace Marshall kamen auf über 3.000 Receiving Yards, hinzu kommt TE Thad Moss, der zusätzlich dazu auch auf immerhin 11.4 Yds pro Catch kommt. Abgerundet wird das ganze von RB Clyde Edwards-Helaire, der eine extreme Physis im Laufspiel hat, gleichzeitig aber auch eine veritable Anspielstation im Passspiel der Tigers ist. 50 Mal fing der Running Back Pässe, was durchaus ein Wert für einen Nr. 1 Receiver anderer Teams sein könnte. Der bereits erwähnt Joe Burrow schaffte es bislang regelmäßig seine Skill-Spieler aus den unfassbarsten Situationen optimal in Szene zu setzen. Diese Symbiose aus QB-Talent und Talentlevel der gesamten Offense wird die Verteidigung der Oklahoma Sooners vor eine gewaltige Herausforderung stellen.

Die Oklahoma Defense zeigt sich im Vergleich zu den beiden Jahren zuvor in einem deutlich verbesserten Zustand. Zwar konnte Neu-DC Alex Grinch noch nicht auf Elite-Level rekrutieren, aber als Primus in der Big 12 bekommt Oklahoma durchaus das eine oder andere Talent für die eigene Verteidigung hinzu. Dass eine Verbesserung der Defense durch ein entsprechendes Scheme realisiert werden kann, bewies Alex Grinch 2019. Das Konzept “Speed D” fokussiert dabei die Stärken des vorhandenen Kaders. Kreative Blitzpackages in Kombination mit einer deutlich verbesserten D-Line setzten gegnerische Quarterbacks regelmäßig unter Druck und würgten das gegnerische Laufspiel wesentlich besser ab als es in den Jahren unter DC Mike Stoops der Fall war.

Am Samstag muss die OU Defense aber auf zwei Säulen verzichten. DE Ronny Perkins, der beste Pass Rusher ist gesperrt und S Delarian Turner-Yell ist verletzt. Eine Sollbruchstelle könnte die Sooners Coverage werden, die sowohl Schwächen im LB-Corps als auch in der Secondary hat. Bei so potenten Offensivwaffen wie sie LSU hat, dürfte das ein entscheidender Nachteil werden.

OU Offense vs. LSU Defense

Auch die Offense der Sooners wurde durch QB Jalen Hurts quasi generalüberholt. Von einer sehr passstarken Offense zu einem Run-First Angriff. Hurts ist kein schlechter Passer, aber die tiefen Bälle, die Baker Mayfield und Kyler Murray scheinbar spielend leicht an den Mann gebracht haben, gelingen ihm eher selten. Auf den kurzen und mittleren Distanzen hingegen kann er häufiger überzeugen. Seine große Stärke ist das physische Laufspiel, bspw. über Option-Spielzüge. Die RBs Brooks und Stevenson ermöglichen hier verschiedene Laufkonzepte. Die entsprechenden Lücken eröffnet die O-Line um Redshirt Sophomore Creed Humphrey, ein Second Team All-American. Umso überraschender ist die Tatsache, dass das Laufspiel stellenweise etwas zu kurz im Playcalling kam. Anders als LSU kann die Offense der Sooners nur einen sehr produktiven Wide Receiver aufbieten. CeeDee Lamb kommt auf ein Receiving-Average von über 20 Yds, ein Wahnsinnswert. Mit 58 Receptions hatte er aber gerade mal nur acht Receptions mehr als RB Edwards-Helaire von LSU, was die Relevanz des Passspiels in diesem Jahr zeigt.

LSU Defense ist statistisch nicht unbedingt Elite. Zur großen Überraschung vieler Experten zeigte sich gerade die Secondary um CB Fulton, Stingley und S Grant Delpit ziemlich löchrig. Gegen den Lauf war die Unit von Dave Aranda deutlich erfolgreicher und könnte hier am kommenden Samstag ansetzen. Es wird für Oklahoma definitiv so schwer werden wie noch nie in dieser Saison das eigene Laufspiel zu etablieren. Aus LSU Sicht dürfte auch das Fehlen des gesperrten OU RBs Stevenson für etwas Erleichterung sorgen. Die Secondary ist in den letzten Spielen auch immer mehr durch Big Plays aufgefallen und diese Formsteigerung kommt für die Tigers zur besten Zeit.

Fazit

Noch für einer Woche in Julians Podcast war ich etwas optimistischer was die Chancen Oklahomas angeht. Die Sperren für Stevenson und vor allem für Perkins werden OU definitiv weh tun. Sollte LSU RB Edwards-Helaire trotz Oberschenkelverletzung auflaufen können, wird es eine fast aussichtslose Aufgabe diese bärenstarke LSU Offense zu stoppen. Für die Sooners muss alles richtig und für LSU so ziemlich alles falsch laufen, damit es zum Upset kommt. Mein (neuer) Tipp: LSU gewinnt mit 44-28.

Fiesta Bowl in Glendale

Direkter Vergleich

ClemsonOhio State
Bilanz13-013-0
S&P+28.8 (4.)35.8 (1.)
S&P+ Offense41.2 (6.)44.1 (4.)
S&P+ Defense11.2 (3.)10.0 (2.)
Yds per Att Off8.24 (10.)8.13 (11.)
Yds per Att Def4.61 (2.)3.93 (1.)

Clemson Offense vs. Ohio State Defense

Nach allen möglichen Stats ist diese Partie extrem ausgeglichen, sowohl im Matchup Clemson Offense vs. Ohio State Defense als auch umgekehrt. Clemson hatte wie bereits vor der Saison vermutet wenig Probleme in der eigenen Conference. Bis auf eine vergleichsweise schwache Partie gegen UNC gewannen die Tigers ihre Partien stets mit einem entsprechend großen Vorsprung. In 10 Partien erzielten sie gar mehr als 40 Punkte. Die Offense um Ausnahmespieler QB Trevor Lawrence kann es mit jeder Defense im College Football aufnehmen, auch wenn sie bislang kaum die Gelegenheit hatten, dies gegen ebenbürtige Gegner zu zeigen. Die O-Line ist vermutlich die beste in der Amtszeit von Dabo Swinney. Die Running Backs sind brutal effektiv, Travis Etienne erläuft über 8 Yds pro Lauf. Das Wide Reciever Corps hat mit Tee Higgins und Justyn Ross zwei der besten Receiver landesweit, die kaum zu decken sind. Hinzu kommt, dass Trevor Lawrence über sämtliche Skills verfügt, die man sich für einen Quarterback wünscht. Ob spektakuläre Pässe auf die Außen oder Bullet-Pässe in die Mitte, Lawrence beherrscht sie alle.

Zwar haben die Buckeyes mit Jeff Okuda einen extrem starken und für den kommenden NFL-Draft hochgehandelten Cornerback, dennoch glaube ich, dass dieser das eine oder andere Problem mit diesen Wide Receivern bekommen wird. Auch die Hilfe der beiden anderen DBs David Arnette und Shaun Wade wird nicht ausreichen, um das Passspiel der Tigers komplett abzuwürgen, wie man es in dieser Saison häufig von Buckeyes gewohnt war. Die Ohio State Defense wird auf ihren Pass Rush zählen müssen, denn dieser ist immerhin extrem verlässlich. DE Chase Young ist ein Beast und wird auch für die starke O-Line Clemsons eine riesige Herausforderung sein. 1 gegen 1 Situation gegen Young sind in der Regel ein Minusgeschäft und so würde es mich nicht wundern, wenn zwei Clemson zwei Spieler auf Young ansetzt.

Das würde dann aber die Möglichkeit z.B. für DT Davon Hamilton erhöhen wichtige Plays für Buckeyes Defense zu machen. Eine potentielle Schwachstelle könnte das LB-Corps der Buckeyes sein, denn es ist zwar durchaus talentiert, aber nicht auf dem Elite-Level der anderen Mannschaftsteile.

Ohio State Offense vs. Clemson Defense

Offensiv bewegt sich Ohio State traditionell auf einem sehr hohen Level. QB Justin Fields erwies sich als massives Upgrade für eine ohnehin sehr gute Offense, die sowohl im Passspiel als auch im Laufspiel überzeugt hat. In Kombination mit dem vielleicht besten Back im College Football J.K. Dobbins war das Team von Head Coach Ryan Day in der Lage 5.7 im Schnitt pro Lauf zu erzielen. Option-Spielzüge sorgten häufig zur Verwirrung der gegnerischen Verteidigungsreihen. Musste die Offense mal adjusted werden, gelangen Fields dann häufig präzise, z.T. extrem spektakuläre Pässe zu den famosen Receivern Chris Olave, K.J. Hill und Binjimen Victor. Fields’ Statistiken sind überragend: 208/308 Pässen = 67% Pass Comp., knapp 3.000 Yds im Pass, 40 TDs bei nur einer INT (!!!). Im Lauf sind es 123 Versuche für 471 Yds und 10 Touchdowns. Ein Makel ist jedoch die Tatsache, dass er insgesamt 27 Mal gesacked wurde, da er des öfteren dazu tendiert, den Ball etwas zu lange zu halten.

Die Clemson Defense hat nicht mehr die dominanten D-Line des Vorjahres, muss sich aber auf dieser Seite des Balles definitiv nicht verstecken. Zu gut rekrutieren Dabo Swinney und DC Brent Vernables Jahr für Jahr, so dass ein Leistungsabfall für die nächsten Jahre nicht erfolgen dürfte. Auffälligster Spieler in der Verteidigung der Tigers ist Linebacker Isiah Simmons, der diesjährige Gewinner des Butkus-Awards und All-American. Er ist mit 93 Tackles, 6 Sacks und 2 INTs ein Spieler, der den Unterschied machen kann. In der Passverteidigung überzeugten die Safeties K’Von Wallace und Nolan Turner mit 8 bzw. 7 verteidigten Pässen. Mit 2.97 Yds pro Laufversuch ist die Defense sehr erfolgreich gegen den Lauf, was nicht die schlechteste Voraussetzung für das Matchup gegen die Buckeyes ist.

Fazit

Wie schwer hier eine Prognose ist, zeigt folgendes Bild von ESPN:

Nach Vegas ist Clemson favorisiert, nach ESPN FPI hat Ohio State die höhere Siegchance. Es könnte daher tatsächlich eine enge und sehr spannende Partie werden, was für den neutralen Zuschauer nicht die schlechteste Option wäre. Tatsächlich bin ich sehr gespannt wie Clemson gegen ein Buckeyes-Team auftritt, was definitiv nichts mit dem niedrigen Gegner-Level der ACC zu tun hat. Kleinigkeiten könnten alles in allem den Unterschied machen, insofern tippe ich in diesem Coin-Toss-Spiel auf einen knappen 31-30 Sieg für die Buckeyes.

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