NFL Wild Card Round 2019 – der Sonntag

Nahtlos geht es weiter mit den beiden heutigen Partien aus der NFC. Die Vorschau für die AFC-Matchups findet ihr hier.

Minnesota Vikings (6th Seed, 10-6) @ New Orleans Saints (3rd Seed, 13-3) So. 19:05 Uhr, FOX

Mit einem Spread von ca. 8 Punkten ist dieses Matchup das eindeutigste, zumindest wenn man den Wettexperten Glauben schenkt. Aber auch bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass diese 8 Punkte Unterscheid zugunsten der New Orleans Saints nicht unbegründet ist. New Orleans gewann seine Division souverän und verpasste die Bye-Week in den Playoffs nur sehr knapp. Die Vikings wiederum spielten über weite Strecken eine sehr überzeugende Saison, waren aber zum Ende hin zu inkonstant und konnten somit die Green Bay Packers in Bedrängnis bringen.

Die Saints haben in der Drew Brees-Ära eine starke Heimbilanz in den Playoffs vorzuweisen. Von sieben Heimspielen gewann New Orleans sechs. Die einzige (sehr umstrittene) Niederlage gab es in der vorherigen Saison gegen die Los Angeles Rams.

Rk Tm Year Date Time LTime Opp Week G# Day Result OT
1NOR20182019-01-203:052:05LAR2018SunL 23-26OT
2NOR20182019-01-134:403:40PHI1917SunW 20-14
3NOR20172018-01-074:403:40CAR1817SunW 31-26
4NOR20112012-01-078:097:09DET1817SatW 45-28
5NOR20092010-01-246:455:45MIN2018SunW 31-28OT
6NOR20092010-01-164:343:34ARI1917SatW 45-14
7NOR20062007-01-138:117:11PHI1917SatW 27-24
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Generated 1/4/2020.

Die Tatsache, dass die Saints zu Hause spielen, ist aber bei weitem nicht der einzige Vorteil. Die Offense der Saints ist die vermutlich kompletteste der gesamten Liga. Drew Brees ist mit seinen knapp 41 Jahren immer noch in überragender Form. Die O-Line der New Orleans Saints gehört auch in diesem Jahr zu den besten Units landesweit, sowohl im Pass Blocking (Nr. 2 laut PFF) als auch im Run Blocking (Nr. 4 laut PFF). Mit Michael Thomas zählt der produktivste Wide Receiver der Liga zum Supporting Cast der Saints. Michael Thomas fing 149 Pässe für 1.725 Yds und 9 Touchdowns. Wenn das nicht schon genug wäre, hat Drew Brees mit Ted Ginn Jr. und TE Jared Cook zwei weitere verlässliche Anspielstationen zur Verfügung. Die Vikings Defense wiederum ist zwar die Nr. 7 nach DVOA, zeigte jedoch regelmäßig Schwächen in der Secondary, etwas verwunderlich bei einem Head Coach Mike Zimmer, dem ein Fetisch für gute DBs nachgesagt wird. Ex-Pro-Bowler Xavier Rhodes spielt unterdurchschnittlich und erschwerend kommt hinzu, dass Mike Hughes und Mackensie Alexander verletzungsbedingt ausfallen werden. Rechnet man dann noch das variable Backfield der Saints dazu (u.a. mit Ex-Viking Latavius Murray), stellt sich einem die berechtigte Frage, wie diese Vikings Defense eine so potente Offense stoppen kann.

Auf der anderen Seite des Balls vertrauen die Vikings auf das Playaction-Passspiel über QB Kirk Cousins und das Outside-Zone Rungame um die Running Backs Delvin Cook, Alexander Mattison und Mike Boone. Cousins gehört zu den Quarterbacks, die eine hohe Differenz zwischen Playaction und Nicht-Playaction-Pässen verzeichnen. Mit den Receivern Stefon Diggs und Adam Thielen hat er verlässliche Anspielstationen für die Außen bzw. für den Slot. Für Short-Yardage Situationen dienen die Tight Ends Kyle Rudolph und Irv Smith regelmäßig als Fixpunkt. Je variabler das Playcalling im Pass, desto erfolgreicher ist die Offense von OC Kevin Stefanski. Leider ist HC Mike Zimmer ein Old-School-Guy und liebt den Lauf. Insofern wäre es nicht verwunderlich, wenn der wiedergenesene RB Delvin Cook den Lauf etablieren darf. Eine erfolgreiche Strategie dürfte das nicht sein, denn die Laufdefense der Saints ist nach DVOA die Nr. 5 im Lande. LB Demario Davis und A.J. Klein könnten eine lauflastige Strategie im Keim ersticken.

Die Pass Defense der Saints ist zwar nicht ganz so stark, aber dafür kann sich der Pass Rush um DE Cameron Jordan sehen lassen. Die Mitte der Vikings O-Line dürfte ebenfalls ein Angriffspunkt der Saints Defense werden, da LG Pat Elflein eine Schwachstelle darstellt.

Prognose

Die Ausfälle in der eh schon suspekten Secondary wiegen schwer für Minnesota. Die Kombination aus dem Heimvorteil, einer kompletten und variablen Saints Offense und einer in den letzten Wochen schwächelnden Vikings Offense machen New Orleans zum klaren Favoriten. Ergo: Kein Miracle für die Vikings. Mein Tipp: 35-17 New Orleans.

Seattle Seahawks (5th Seed, 11-5) @ Philadelphia Eagles (4th Seed, 9-7) So. 22:40 Uhr, NBC

Das Duell der Verletzungsgeplagten. Die Eagles haben neun Spieler, die Seahwawks gar 11 Spieler, die sich auf dem jeweiligen Injury Report befinden. Es werden zwar bei weitem nicht alle Spieler ausfallen, aber es sind dann doch einige relevante Namen darauf, deren Fehlen sich an der einen oder anderen Stelle bemerkbar machen wird.

Die Eagles Offense ist eine durch und durch durchschnittliche Offense, sowohl was das Playcalling-Risiko bei Early Downs angeht als auch in Sachen Effizienz. Die besagten Verletzungssorgen erlaubten es dem Super Bowl Sieger von 2017 in dieser nicht mehr aus ihrer Offense rauszuholen. Wenn z.B. WR Alshon Jeffrey fit war, “glänzte” er mit einem spektakulären Drop nach dem anderen. Bezeichnend für diese Saison der Eagles. Nun spielte dem Team von HC Pederson in die Hände, dass die eigene Division mal wieder extrem schwach war und nur die Cowboys bis zum vorletzten Spieltag im Rennen um den Divisionssieg dabei waren.

Schaffen es die Eagles in die Redzone, gehören sie zu den gefährlichsten Teams der NFL (dritthöchste TD-Conversion Rate laut Pro Football Reference). Ihre beiden Tight Ends Zach Ertz und Dallas Goeddert sind hier die Go-To-Guys für QB Wentz. Leider ist aus Sicht der Eagles Ertz für morgen fraglich. Mit RB Miles Sanders steht den Eagles aber immerhin ein variabler Running Back zur Verfügung. Der Weg zur Redzone wird allerdings ein Problem werden. Mit 5.2 Yds per Play ist Philly unterdurchschnittlich gut unterwegs. Große Probleme bereitete den Eagles auch der Pass Rush der Seahawks im Hinspiel. Die Edge Rusher Ziggy Ansah und Jadeveon Clowney sind potentielle X-Faktoren für die Seahawks Defense. Mit Safety Quandre Diggs erhält die Seahawks Defense auch noch einen starken Playmaker in ihrer Secondary nach Verletzung zurück.

Zwar sind die Zeiten der dominanten “Legion of Doom”-Coverage vorbei, aber dennoch sehe ich hier Vorteile für Seattle.

Offensiv haben die Seahawks zwar die entsprechenden Playmaker, leiden jedoch unter dem konservativen Playcalling von OC Brian Schottenheimer. Zu selten wird in Early Downs gepasst, obwohl sie mit Russell Wilson einen der besten QBs der Liga haben. Sidelinereporter Thomas hat hier einen fantastischen Artikel geschrieben, der detailliert zeigt, wie es um die Seahawks und die anderen Teams u.a. im Bereich Playcalling ausschaut. Auch in Sachen 4th-Down Go for it-Rate sieht es eher mau aus bei den Hawks.

Zwar ist Seattles O-Line sehr mau im Passblocking (Nr. 30 laut PFF), aber Wilson improvisiert so gut wie kaum ein anderer Quarterback (Lamar Jackson ausgenommen). Schlecht für Seattle, dass ihr bester Tackle ausfällt und die Eagles mit DT Fletcher Cox und Edge Rusher Vinnie Curry zwei potenzielle Problemspieler für die Seahawks O-Line in ihren Reihen haben. Russell Wilson wurde im Hinspiel insgesamt sechsmal gesacked. Rookie-WR D.K. Metcalf und WR Tyler Lockett werden wohl die häufigsten Anspielstationen für Russell Wilson sein. Während Metcalf mit einer hohen Droprate (8 Drops, zweitmeiste Drops aller Rookie-Receiver) zu kämpfen hat, spielt Locket erneut eine sehr gute Saison. Für tiefe Bälle gibt es kaum einen besseren Receiver als Locket. Sympathiefaktor der Offense ist Marshawn Lynch, der zwar nicht der wichtigste Faktor des Spiels sein wird, aber für den einen oder anderen Touchdown aus kurzer Distanz gut sein könnte.

Prognose

Das Hinspiel war mit 17-9 für Seattle eine punktarme Partie und damit rechne ich auch diesmal. Der Heimvorteil für die Eagles dürfte nicht reichen, denn das Potenzial des Seahawks-Kaders ist größer und trotz aller Playcalling-Schwächen ist Russell Wilson der bessere Quarterback im Vergleich zu Carson Wentz. In Kombination mit der besseren Secondary sehe ich die Seahawks vorne. Mein Tipp: 16-10 Seattle.

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